Family Office-Themen haben in den vergangenen Jahren deutlich an Breite gewonnen. Neben klassischen Fragen der Vermögensanlage rücken Governance, Nachfolge, Unternehmensbeteiligungen, internationale Strukturen und die professionelle Koordination unterschiedlicher Experten stärker in den Mittelpunkt. Im Vorfeld der Jahrestagung Family Office 2026 sprach Markus Hill Finanzplatz Frankfurt am Main mit Dr. Sigrid Mulas, Geschäftsführerin der Fachseminare von Fürstenberg, über die Weiterentwicklung der Veranstaltung, die Neukonzeption des Lehrgangs „Zertifizierter Family Officer (FvF)“ und die Frage, welche Kompetenzen Family Officers heute benötigen. Besonders interessant war dabei der Blick auf die Schnittstellen: Family Office-Arbeit erschöpft sich nicht in einzelnen Fachdisziplinen. Entscheidend ist vielmehr, wie rechtliche, steuerliche, finanzielle, familiäre und Governance-Fragen in der Praxis zusammengeführt werden. Das Gespräch gab zugleich Einblicke in die Schwerpunkte der Jahrestagung 2026 in Bad Neuenahr sowie in die Entwicklung eines Fach- und Netzwerkumfelds rund um die Ausbildung zum Zertifizierten Family Officer.

Hill: Frau Dr. Mulas, die Jahrestagung Family Office 2026 steht vor einigen Veränderungen. Was ist neu?
Mulas: Wir entwickeln die Jahrestagung 2026 sichtbar weiter. Zum einen findet sie nach fünf Jahren dieses Jahr in Bad Neuenahr statt. Zum anderen übernimmt Dr. Florian Oppel zusammen mit Dr. Henning Schröer die Tagungsleitung. Damit setzen wir auch inhaltlich einen neuen Akzent. Die Jahrestagung soll noch stärker der Ort werden, an dem aktuelle Family Office-Fragen nicht nur vorgestellt, sondern fachlich eingeordnet und offen diskutiert werden.
Hill: Was unterscheidet Ihre Jahrestagung von klassischen Wealth-Management-, Private-Banking- oder Investmentkonferenzen?
Mulas: Viele Veranstaltungen in diesem Umfeld betrachten Family Offices vor allem als Investoren oder Produktzielgruppe. Das ist uns zu eng. Bei uns geht es um die Gesamtarchitektur komplexer Familienvermögen: Familie, Unternehmen, Vermögen, Governance, Nachfolge, Risiko, Recht, Steuern und Kapitalanlage. Investmentthemen spielen eine Rolle, aber nicht isoliert. Entscheidend ist die Frage: Was muss ein Family Office verstehen, koordinieren und beurteilen können, damit Familienvermögen langfristig professionell begleitet wird?
Hill: Können Sie schon etwas zum Programm 2026 sagen?
Mulas: Ja, das Programm ist inzwischen veröffentlicht und zeigt sehr gut, wohin sich die Jahrestagung entwickelt. Wir beginnen mit der Frage, wie Familienvermögen in Krisenzeiten strategisch gesichert werden kann, und spannen den Bogen dann über Nachfolge- und Strukturmaßnahmen, Immobilien, strategische Asset Allocation, Private Debt und Minderheitsbeteiligungen in Familienunternehmen. Am zweiten Tag stehen stärker die operativen und governancebezogenen Fragen im Mittelpunkt: KI im Family Office, Family Office-Governance, der Beirat sowie Kommunikation und Reputation von Unternehmerfamilien. Damit bildet die Tagung genau die Breite ab, die moderne Family Office-Arbeit heute verlangt: Vermögen, Familie, Unternehmen, Governance, Investments und Risiko müssen zusammengedacht werden.

Hill: Gibt es Programmpunkte, auf die Sie besonders hinweisen würden?
Mulas: Alle Vorträge versprechen spannende Insights, weil sie unterschiedliche Perspektiven auf die Praxis professioneller Family Offices eröffnen. Für ihre Leser dürften aber zwei Themen vielleicht besonders interessant sein: erstens die Strategische Asset Allocation für Unternehmerpersönlichkeiten und Unternehmerfamilien, weil hier Kapitalanlage nicht abstrakt, sondern aus der Denk- und Entscheidungslogik von Prinzipalen betrachtet wird. Zweitens Private Debt, da diese Anlageklasse für Family Offices und andere professionelle Investoren zunehmend relevant wird und eine disziplinierte Einordnung von Rendite, Risiko, Segmenten und Auswahlkriterien verlangt. Ergänzend ist auch der Vortrag zu Minority Investments in Familienunternehmen spannend, weil er Family Equity, langfristige Partnerschaften und Governance-Fragen verbindet. Wichtig bleibt aber: Die Jahrestagung ist nicht nur Vortragsprogramm. Das exklusive Alumni-Treffen der Zertifizierten Family Officer (FvF) und das gemeinsame Abendessen schaffen den Rahmen, in dem die Themen vertraulich weitergedacht werden können.
Hill: Netzwerk ist ein häufiges Versprechen in der Weiterbildungsbranche. Wann wird daraus aus Ihrer Sicht tatsächlich ein fachlicher Mehrwert?
Mulas: Wenn ein Netzwerk nicht beliebig offen ist und auf einer gemeinsamen fachlichen Grundlage beruht. Genau das ist bei unseren Absolventinnen und Absolventen der Fall. Sie haben denselben Lehrgang durchlaufen, teilen ein Grundverständnis professioneller Family Office-Arbeit und begegnen sich anschließend auf der Jahrestagung oder bei Stammtischen wieder. Dadurch entsteht nicht nur Kontakt, sondern Vertrauen – und Vertrauen ist in diesem Bereich eine echte Arbeitsgrundlage.
Hill: Wie groß ist dieser Kreis inzwischen?
Mulas: Seit dem Start des Lehrgangs im Jahr 2017 haben rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Abschluss Zertifizierter Family Officer (FvF) erworben. Das ist kein Massenformat, sondern ein bewusst gewachsener Kreis. 2026 haben wir den Lehrgang neu konzipiert, weil sich die Anforderungen an Family Officers verändert haben.
Hill: Was war an der bisherigen Konzeption nicht mehr ausreichend?
Mulas: Die Anforderungen an Family Officers haben sich deutlich weiterentwickelt, und wir haben in den vergangenen fast zehn Jahren viel Feedback erhalten und weitere Expertise entwickelt. In der Praxis zeigt sich heute noch stärker, dass professionelle Family Office-Arbeit nicht an fehlendem Fachwissen scheitert, sondern an fehlender Integration: Recht, Steuern, Vermögen, Familie, Governance und Risiko müssen zusammen gedacht werden. Die Themen Wertschöpfung und auch die internationalen Bezüge sind von imminenter Bedeutung. Deshalb haben wir den Lehrgang 2026 grundlegend neu konzipiert – auf Basis vieler Lehrgänge, Rückmeldungen von Teilnehmern und der gewachsenen fachlichen Perspektiven. Ziel ist nicht mehr Wissenssammlung, sondern die systematische Entwicklung professioneller Handlungskompetenz.
Hill: Was hat sich durch die Neukonzeption konkret verändert?
Mulas: Wir haben den Lehrgang stärker entlang der Entscheidungsrealität im Family Office aufgebaut. Die Module folgen nicht einfach einzelnen Fachgebieten, sondern verbinden die zentralen Kompetenzfelder: Rolle und Organisation des Family Officers, Recht und Steuern, Unternehmens- und Vermögensnachfolge, Asset Allocation und Reporting sowie liquide, immobilienbezogene und illiquide Investments. Neu ist vor allem die stärkere Lernlogik: Ausgangslagen erfassen, Strukturen durchdringen, Entscheidungen verantwortungsvoll abwägen und langfristig umsetzen. Damit wird aus Fachwissen ein professionelles Gesamtverständnis.
Hill: Welche Themen gehören heute zwingend in eine Family Office-Ausbildung, obwohl sie früher eher randständig behandelt wurden?
Mulas: Neben den klassischen Feldern Recht, Steuern und Vermögensstrukturierung gehören heute vor allem Governance, Organisation, Nachfolgeprozesse, Risikofragen, internationale Aspekte, Asset Allocation, Reporting, Investment-Governance und illiquide Anlagen dazu. Gerade die Schnittstellen sind entscheidend: Eine steuerlich sinnvolle Struktur kann familiär schwer vermittelbar sein; eine Investmententscheidung kann Governance- oder Haftungsfragen auslösen; externe Beraterkompetenz muss integriert werden, ohne Entscheidungsverantwortung zu delegieren. Genau diese Bruchstellen prägen moderne Family Office-Arbeit.
Hill: Wie verhindern Sie, dass Interdisziplinarität nur ein anderes Wort für thematische Breite bleibt?
Mulas: Indem wir konsequent an Schnittstellen arbeiten. Ein Beispiel: Eine Immobilienentscheidung ist nie nur eine Immobilienentscheidung. Sie kann steuerliche, rechtliche, familiäre, finanzielle und governancebezogene Folgen haben. Ähnlich ist es bei Nachfolge, Beteiligungen oder Sicherheitsfragen. Der Lehrgang soll genau dieses Denken trainieren: nicht in Silos, sondern in Zusammenhängen.
Hill: Was sollte ein Absolvent anschließend professioneller einordnen oder entscheiden können als vorher?
Mulas: Er oder sie sollte komplexe Situationen strukturierter lesen können. Welche Interessen sind im Spiel? Welche Risiken sind sichtbar, welche noch nicht? Welche Fachleute müssen eingebunden werden? Wo drohen Zielkonflikte? Und welche Entscheidung ist nicht nur fachlich korrekt, sondern für die Familie langfristig tragfähig? Das ist aus meiner Sicht der Kern professioneller Family Office-Arbeit.
Hill: Referentenqualität wird in Weiterbildungsformaten oft behauptet. Wie stellen Sie sicher, dass im Lehrgang keine Produktlogik oder reine Selbstdarstellung dominiert?
Mulas: Wir wählen Referentinnen und Referenten danach aus, ob sie fachlich exzellent sind und zugleich echte Erfahrung mit komplexen Vermögens-, Familien- oder Unternehmensstrukturen haben. Entscheidend ist nicht allein Reputation, sondern die Fähigkeit, Wissen anwendungsbezogen zu vermitteln. Produktvorträge passen nicht zu diesem Format. Unsere Teilnehmer erwarten keine Verkaufspräsentationen, sondern Orientierung, Substanz und Praxiserfahrung – sowohl beim Lehrgang als auch der Jahrestagung.
Hill: Der Begriff „Family Officer“ ist nicht geschützt. Was kann ein Zertifikatslehrgang in diesem Markt leisten?
Mulas: Ein Lehrgang kann den Begriff nicht rechtlich schützen. Aber er kann Transparenz schaffen. Der Abschluss Zertifizierter Family Officer (FvF) zeigt, dass sich jemand systematisch mit den zentralen Aufgabenfeldern, Schnittstellen und Verantwortungsebenen auseinandergesetzt hat. Er ersetzt keine Erfahrung, aber er schafft ein nachvollziehbares Qualifikationsprofil in einem Markt, der häufig sehr uneinheitlich ist.
Hill: Wenn Sie den Lehrgang und die Jahrestagung zusammen betrachten: Was entsteht daraus, was ein einzelnes Seminar oder eine klassische Konferenz nicht leisten kann?
Mulas: Der Lehrgang schafft die fachliche Grundlage. Die Jahrestagung aktualisiert Themen, öffnet den Blick für neue Entwicklungen und bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die Stammtische vertiefen den Austausch im kleineren Kreis. Mit der Errichtung weiterer Gremien und Formate, z.B. des Wissenschaftlichen Beirats oder der praxisorientierten Webinarserie „Family Office Inside“, in der aktuell relevante Themen aufgegriffen werden, haben wir das Zertifizierungsprogramm deutlich erweitert – ohne den Teilnehmerkreis beliebig zu öffnen. Zusammengenommen entsteht ein fortlaufendes Fach- und Netzwerkumfeld für Menschen, die Family Office-Arbeit ernsthaft und professionell betreiben wollen.
Hill: Was wäre für Sie ein gutes Ergebnis, wenn jemand den Lehrgang besucht und anschließend Teil dieses Kreises bleibt?
Mulas: Dass diese Person nicht nur mehr weiß, sondern anders fragt. Professioneller, strukturierter, vorausschauender. Gute Family Office-Arbeit beginnt oft damit, die richtigen Fragen zu stellen, bevor Entscheidungen getroffen werden. Wenn Absolventinnen und Absolventen Risiken früher erkennen, Spezialisten besser koordinieren und Familienvermögen ganzheitlicher begleiten können, dann erfüllt der Lehrgang seinen Zweck. Wenn die Alumni dauerhaft und eigeninitiativ unter ihresgleichen das Netzwerk pflegen und fortentwickeln – das ist ihr weiterer dauerhafter Gewinn.
Hill: Vielen Dank für das Gespräch.
Veranstaltungshinweis “Jahrestagung Family Office 2026„
Dialog & Information:
FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL
FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE
FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL
FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“)
25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“
(Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital)
26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“
Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“
(Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com)
17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026”
(Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH)
Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS
Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“
(Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025)
16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog
(Medienpartnerschaft)
12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“
(Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ)
17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT
(Vortrag – Markus Hill)
24.9.2026, Luzern: „Swiss Digital Finance Conference 2026“ – Markus Hill (PARTNER) spricht mit Jan Carlos Janke, Dozent im Themenfeld Digital Business & Innovation der Hochschule Luzern – Informatik
10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“
(Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge)
Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen:
info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179
Photo: Unsplash & Finanzplatz Frankfurt
Quelle: IPE. DA.CH


