FRANKFURT & KNOWHOW: Finanzplatz Frankfurt, Knowhow, Asset Management & Social Media, Investor Education, Fondsboutiquen, Family Offices, Don Bosco, ESG und Impact Investing (Interview IPE-D.A.CH – Frank Schnattinger & Markus Hill)

„Frankfurt ist laut THE ECONOMIST eine sehr lebenswerte Stadt, zudem macht hier der gepflegte fachliche Gedankenaustausch zu Asset-Management-Themen große Freude“

Finanzplatz Frankfurt, Knowhow, Asset Management & Social Media, Investor Education, Fondsboutiquen, Family Offices, Don Bosco, ESG und Impact Investing – IPE D.A.CH Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit Markus Hill über diese Themengebiete sowie über Fachdiskussionen vor Ort zu einer Investorenstudie von Telos & Artis und dem Consultant Day von Caceis. Zusätzlich wurden Themen wie „Schweizer in Deutschland“ und Frankfurter in Indien erörtert und Hinweise auf Aktivitäten im 2. Halbjahr 2022 gegeben.

IPE D.ACH: Frankfurt gehört zu den 10 lebenswertesten Städten Deutschlands. Hat Sie dieses Ergebnis erstaunt?
Hill: Frankfurt ist laut THE ECONOMIST eine sehr lebenswerte Stadt, zudem macht hier der gepflegte fachliche Gedankenaustausch zu Asset-Management-Themen große Freude. Sie haben recht mir Ihrer Formulierung, dem Erstaunen. Es kam für viele Fans und auch „Gegner“ der Stadt wohl sehr überraschend, unverhofft. Natürlich hat es mich überrascht. Ich habe die Stadt mittlerweile ins Herz geschlossen, kenne aber durchaus auch deren etwas unappetitlicheren Seiten. Übrigens, diese Betrachtung lässt sich auf viele Städte übertragen, auch auf meine ursprüngliche Heimat, Köln. Ich hatte zwei Meldungen zu diesem Ranking auf meinem „Finanzplatz Frankfurt am Main“-Kanal auf LinkedIn gepostet. Überwiegend gab es positive Rückmeldungen beim ersten Posting (Artikel: „Frankfurt ist so lebenswert wie nie.“, FRANKFURTER NEUE PRESSE) Beim zweiten, kritischen Posting (Artikel: „Frankfurt am Main: Waren die Entscheider auf Crack?!“, DIE ZEIT) gab es dann doch sehr interessante Reaktionen. Ich fand das sehr gut, zumal hier noch Optimierungspotenziale für die Stadt gezielt angesprochen wurden. Da ich neben meinem „Frankfurt-Promotion-Hobby“ ein paar fachlich orientierte Communities auf LinkedIn betreue (FONDSBOUTIQUEN, PRIVATE LABEL FONDS, FUNDS BOUTIQUES, CAT BONDS), verfolge ich die Kommunikations-Dynamik auf diesen verschiedenen Kanälen mit großem Interesse. Die Asset Management-Branche verhält sich im Durchschnitt betrachtet in Sachen Social Media & Asset Management meiner Ansicht nach immer noch etwas reserviert, suchend und durchaus auch unsicher. Interessant ist hier vor allen Dingen, dass es hier eine Lücke zwischen den Generationen zu geben scheint. Auf verschiedene Vertreter der traditionell orientierten „Print-Medien-Fraktion“ erscheint dieses Medium wohl noch etwas geheimnisvoll, vielleicht sogar als in Teilen „unseriös“. Ich hatte wohl das Glück, dass ich mich seit 2013 sehr aktiv mit diesem Themenfeld beschäftigt habe. Auch ich bin heute noch Lernender, mache meine Fehler – gerade junge Leute erscheinen diesbezüglich sozusagen fluider im Denken zu sein, sie arbeiten und leben teilweise sehr intensiv mit diesen Medien (LinkedIn, Xing, Instagram & Co.). Mit allen Vor- und Nachteilen, hier können die Alten noch viel von den Jungen lernen. Natürlich sollte man einen negativen Aspekt nicht vergessen – nur Social Media ohne analoge Welt sollte als Gefahr betrachtet werden. Bildung braucht Aufmerksamkeitspanne, Konzentrationsfähigkeit und Frustrationstoleranz, hier gibt es unbestreitbar sehr negative Auswirkungen dieser Medien. Übrigens, beim Thema Frankfurt geht es immer sehr leidenschaftlich zu – im Gegensatz zur rein fachlich orientierten Diskussion bei meinen anderen LinkedIn-Kanälen. Ich mag Frankfurt einfach sehr gerne, obwohl ich, in Bonn geboren, 1996 aus Köln dorthin gezogen bin. Als Rheinländer habe ich dieses „Dorf mit Wolkenkratzern“ tief ins Herz geschlossen!

IPE D.ACH: Sie unterstützen, bewerben und organisieren auch ab und an Veranstaltungen vor Ort. Was macht die Location Frankfurt so interessant?
Hill: Wie gesagt, wenn man sich stärker mit den Netzwerken vor Ort, neudeutsch „Ökosysteme“, beschäftigt, dann wird einem sehr klar, dass es eine Vielfalt von Meinungen, Knowhow, Nationalitäten, Freizeitangeboten und mehr gibt. Wie oben beschrieben, man kann geteilter Meinung sein. Unbestritten ist, dass der Finanzplatz Frankfurt in Hessen ein weites Einzugsgebiet hat. Wirtschaftlich gesehen kann man es zum Beispiel mit der Vernetzung und Ausdehnung des Ruhrgebietes vergleichen. Mit dem einen, entscheidenden Unterschied: Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und Hessen als Bundesland – natürlich ist hier vor Ort die Wirtschaftskraft eine ganz andere. Hochschulen, Kooperationen, der Flughafen, die Internationalität, die unbestrittene Rolle als Finanzzentrum sind alles Punkte für Frankfurt. Dazu kommt die zentrale Lage in Deutschland – man ist schnell überall und ist für „Überall“ in Deutschland auch recht schnell erreichbar. Das Museumsufer, Eintracht Frankfurt, EZB, die einzigartige Skyline von Frankfurt – zu mindestens sehr viele Punkte, die diese Location bundesweit und international, nicht nur für Events und Gedankenaustausch, interessant machen. Und nein – ich habe keinen Vertrag mit dem Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, bin aber zugegebenermaßen in meinen Ansichten etwas weniger neutral. Beeindruckt haben mich auch die Aktivitäten von Organisationen vor Ort wie zum Beispiel Frankfurt Main Finance, Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH und FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region. Wie bei mir, kann man auch diesen Organisationen eine gewisse Befangenheit nicht absprechen. Fakt ist aber, dass diese und viele andere Organisationen dieses „Frankfurt-Fan-Netzwerkes“ auf exzellente Weise kooperieren, sich oft die Bälle vor Ort gegenseitig zuspielen.

IPE D.ACH: Sie sind als Asset Management Consultant tätig. Welche Themen verfolgen Sie derzeit mit größerem Interesse?
Hill: Value Investing, Rohstoffe, Dachfonds, Real Assets und ESG und Impact Investing. Diese Gebiete schaue ich mir seit langer Zeit genauer an. Hierbei sehe ich weniger auf die Produkthülle, die Verpackung. Publikumsfonds, Spezialfonds, Liquide versus Illiquide (AIF), Direktinvestments – interessanterweise wird es hier, wie so oft, an „den Rändern“ bei der Marktbeobachtung sehr interessant. Eine von vielen Gelegenheiten, sich zusätzlich zu diesen Bereichen auszutauschen hatte ich im ersten Halbjahr durch die Moderation verschiedener Panels beziehungsweise von Veranstaltungen mit Berührungspunkten zu diesen Themenkreisen. Auch hier hat Frankfurt als Veranstaltungsort wieder eine Rolle als hochwertiges Ökosystem unter Beweis gestellt. Zum Themenkreis Family Offices & Impact Investing konnte ich eine interessante Diskussion beim 5. Sustainable Investor Summit begleiten. Ein Schwerpunkt hier waren neben Due Diligence und der Bedeutung der NextGen als Investoren auch der Stand der aktuellen Diskussion zum Themenkreis „Sinnökononomie“. Die Diskussion hatte insofern auch einen persönlichen Bezug, da ich früher oft im Don Bosco-Club in Köln an Betreuung und Jugendfahrten teilnehmen konnte und es hier um Bildung, Don Bosco und Emission von Anleihen für Studenten ging. Bei der Markets Group hatte ich im Mai die Gelegenheit, eine Panel-Diskussion auf dem 4th Annual Germany Institutional Forum zu begleiten. Hier hatte sich mit Karg Stiftung, FERI und Mirabaud ein interessantes Gespräch zu Feldern wie Alternative Investments, Rohstoffe und Wandelanleihen ergeben.  Die Themen „Immobilien, Alternative Investments und ESG“ konnte ich ausführlich bei einer Video-Diskussion in Frankfurt erörtern. Seed Money, Investor Education, Fondsboutiquen und Infrastrukturinvestments waren einige der Stichworte, die hier angesprochen wurden in einer Video-Produktion für die EB-SIM-Akademie. Ich hatte hier die Gelegenheit ausführlich mit Bernhard Graeber von der EB-SIM, Alexander Scholz von Telos und Sebastian Thürmer von Artis zu sprechen. Die EB – Sustainable Investment Management (EB-SIM) hat die Studie von Telos & Artis (Initiatoren der Studie, 2021 & 2022) mit unterstützt, das Format der Diskussion hat mir viel Freude bereitet. Besonders interessant war auch die Sichtweise von Herrn Graeber, da er zum einen die Rolle des Asset Managers im Bereich Erneuerbare Energien darstellen konnte, er zum anderen aber auch aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei EnBW und Talanx interessante Einblicke in den Prozess der Due Diligence von Investments geben konnte. Auf dem Consultant Day von Caceis konnte ich vor zwei Wochen die Ergebnisse Funds Europe-Studie zum Themenkreis „Climate Risk & Asset Management“ in Frankfurt vortragen und im Anschluss eine Panel-Diskussion mit Experten von Caceis, Amundi, Credit Plus, und Credit Agricole CIB führen. Hier wurden Themen angesprochen wie ESG, Produktmanagement, Wissensmanagement und die Bedeutung von Daten in diesen Segmenten hinsichtlich Qualität, Quantität und Konsistenz (Beispiel: Künstliche Intelligenz & ESG-Ratings).

IPE D.ACH: Welche Themen und Aktivitäten stehen bei Ihnen im 2. Halbjahr stärker auf der Agenda?
Hill: Auch in diesem Jahr werde ich wieder die Veranstaltung „Value Investing, Rohstoffe & Investieren wie ein Unternehmer“ begleiten, in der Schweiz steht in Zürich zusätzlich der Natural Resources Day an. Zusätzlich werde ich noch bei Moderation und Einladungen unterstützend tätig sein bei weiteren Formaten von SIA Funds AG. Im September werden SIA Funds in Kooperation mit der FAM Frankfurt Asset Management AG (Frankfurter Fondsboutique, Investments in High Yield-Anleihen) auch noch Veranstaltungen in Köln, München und Hamburg durchführen. Die Firma Honovi unterstützt Martin Friedrich von Lansdowne Partners Austria (LPA) als Placement Agent, auch hier befinden wir uns in der Planung für Event-Formate. Hier gibt es ein interessantes Diskussionsfeld hinsichtlich der Rolle von Dachfonds für semi-institutionelle sowie auch für private, hochvermögende Anleger.  Im Juni hatte ich diesbezüglich bei der Markets Group auf dem Private Wealth Germany Hamburg Forum die Gelegenheit, ein Family Office-Panel zum Themenkreis „Aktuelle Investmenttrends bei Family Offices, Impact Investing & ESG“ zu begleiten. Bei Tobias Karow vom stiftungsmarktplatz.eu hatte ich durch eine kurze Telefonumfrage „Was können Stiftungen von Family Offices lernen“, ebenso ein interessantes Thema für mein zweites Halbjahr auf dem Tisch bekommen. Ich werde diese Umfrage – etwas strukturierter – wieder im Herbst durchführen, eine kleine Gedankenaustausch-Veranstaltung hierzu ist auch in Planung. Mit Interesse beobachte ich auch die Entwicklung im Bereich Immobilien. Vielleicht bewegen sich hier viele Dinge. Einmal Out-of-the-Box betrachtet – ich interessiere mich für Indien und die indische Kultur, esse mit Begeisterung indische Küche, auch als Nicht-Vegetarier. Netterweise hatte ich die Gelegenheit auf Einladung von Red Ribbon Asset Management einmal vor Ort einen Einblick zum Thema Standortanalyse „Immobilien“ in Delhi und Mumbai zu erhalten. Sunny Chowdhry (Fondsadvisor, Substantia Real Estate) hatte mir hier netterweise einige der Faktoren erläutert, warum sich europäische Investoren zumindest einmal intensiver mit dem Themenkreis Emerging Markets und der Rolle Indiens bei Investments in Immobilien beschäftigen sollten.

IPE D.ACH: Vielen Dank für die Einblicke.


Quelle: www.institutional-investment.de

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FRANKFURT & WIEN:  „Family Office in a Box“, Stiftungen, Dachfonds und Fondsselektion .- Kapitalmarktresearch & Frankfurt am Main (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)

„Family Office in a Box“, Stiftungen, Asset Allocation, Dachfonds, Fondsselektion und Fondsboutiquen – Markus Hill sprach für FINANZPLATZ FRANKFURT MAIN mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über diese Themen sowie über die Bedeutung von Kapitalmarktforschung für den eigenen Investmentprozess, 3-Jahres-Track Record sowie über die Freude am fachlichen Gedankenaustausch in Frankfurt am Main.

Hill: Was genau bedeutet der Begriff „Family Office in a Box“ im Zusammenhang mit Ihrem Hause?

Friedrich: Das ist eine wirklich interessante Frage. Ich verwende diesen Begriff manchmal, um den von mir initiierten Lansdowne Endowment Fund prägnant zu beschreiben. Die Bezeichnung passt gleich aus mehreren Gründen sehr gut: Erstens handelt es sich um ein klassisches Gesamtvermögenskonzept: Der Fonds ist in sich massiv diversifiziert, und dennoch über ein einziges Wertpapiergeschäft bequem investierbar. Zweitens implementieren viele hochvermögende Familien im Rahmen ihrer hauseigenen Vermögensverwaltung einen vergleichbaren Anlageprozess. Family Offices sind – genauso wie Endowments – institutionelle Anleger mit tiefen Taschen, und einem langfristig orientierten Anlageprozess. Wir teilen also ein und dieselbe Anlagephilosophie mit Family Offices, auch wenn in der konkreten Umsetzung regulatorisch bedingte Unterschiede existieren.

Hill: Was genau steckt hinter dem Begriff „Endowment-Ansatz“ und in welchem Sinne genau besteht ein Zusammenhang zum allgemein bekannten Stiftungs-Begriff im deutschen Sprachraum?

Friedrich: Nun, die wörtliche Übersetzung von Endowment ist wahrscheinlich sogar „Stiftung“. Endowments  sind in England seit hunderten von Jahren bekannt. Die Idee ist recht einfach: gemeinnützige Institutionen wie Hochschulen oder Spitäler mit einem Vermögen auszustatten, welches den Bestand der Institution sichert und damit gleichzeitig auch ihre Unabhängigkeit sicherstellt. Endowments tun dies, indem sie den Betrieb der begünstigten Institutionen subventionieren – im Fall der Universität Yale machen diese Beiträge rund ein Drittel des gesamten Budgets aus! So gesehen ist der Zweck der Vermögensanlage oftmals vergleichbar. Freilich gibt es auch Unterschiede, insbesondere in der Regulatorik und der Ausgestaltung der Anlagepolitik. In Deutschland hat sich der Staat herausgenommen, die „Geschäfts-Gebahrung“ von Stiftungen sehr viel stärker zu beeinflussen, als dies bei US-amerikanischen Endowments der Fall ist.

Hill: Wie sieht Ihr Investmentprozess konkret aus?

Martin Friedrich

Friedrich: Wir bieten unseren Anlegern einen Anlageprozess, wie er typisch für institutionelle Großanleger ist. Ich kann das mit Autorität sagen, weil ich im Laufe meiner schon fast 30-jährigen Karriere im Finanzmarkt mit vielen solchen Institutionen zu tun hatte. Ich habe dabei gelernt, dass natürlich jede Institution individuell ist. Trotzdem geben sich solche Vermögen eigentlich immer eine strategische Vermögensstruktur, welche dann natürlich implementiert werden muss. Im Fall von Endowments werden dafür fast immer Mandate an externe Manager vergeben. Somit sind strategische Allokation und Manager Selektion elementare Basis-Bausteine eines solches Investmentprozesses. Bei uns kommen dann noch taktische Allokation und Overlay-Strategien dazu. Auch diese Prozessschritte finden sich häufig bei institutionellen Akteuren, auch wenn Umfang und Ausgestaltung in der Praxis stark variieren; hier scheiden sich die Geister, ganz klar. Aber das Prinzip, seinen Investmentprozess in eine Wertekette mehrerer aufeinander folgender Schritte zu gliedern, steht außer Debatte.

Hill: Welche Bedeutung hat hier die Kapitalmarktforschung für Sie?

Friedrich: Nun, wir haben noch nicht über die Investmenterfolge unserer Identitäts-Spender gesprochen. Tatsächlich aber sind speziell die Endowments US-amerikanischen Eliteuniversitäten wie Yale, Harvard oder Stanford wirklich interessante Vorbilder. Ein Grund dafür ist, dass diese Anstalten ab etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts hochspezialisierte, mit Experten besetze Investmentbüros geschaffen haben. Diese Einheiten haben dann von der Nähe zur Kapitalmarktforschung profitiert, welche an ebendiesen Universitäten betrieben wurde und wird. Im Ergebnis hat das Endowment von Yale seit 1998 jährliche Erträge von über 12% abgeliefert – in einem Zeiraum, in dem Aktien 4,5% und Anleihen 4,7% geliefert haben. Der Lansdowne Endowment Fund macht sich diese Beobachtung zunutze, indem wir in der Konzeptionierung und bei unseren Optimierungsprozessen immer wieder auf wissenschaftlich abgesicherte Methoden zurückgreifen. Ebenso arbeiten wir laufend mit wissenschaftlichen Methoden an der Weiterentwicklung unserer Modelle.

Hill: Sie sind Dachfondsmanager. Wie identifizieren Sie exzellente Fondsmanager?

Friedrich: Genauso wie andere institutionelle Anleger auch: durch Datenbanken, Suchaufträge und durch persönliche Gespräche. Die Kriterien bei der Auswahl sind immer dieselben: erstens, die Qualität der Menschen hinter den Fonds. Zweitens, die Qualifikation der Akteure. Drittens versuchen wir ihre Motivation zu verstehen: welche Anreize werden den Entscheidungsträgern durch die sie umgebende Organisation gesetzt. Im Investment-Management existieren immer so genannte Prinzipal-Agenten Konflikte; je nach Ausgestaltung der Anreiz-Systeme können diese weitgehend mitigiert oder aber verstärkt werden. Zuletzt müssen wir den Investmentprozess unserer Zielfonds natürlich so gut wie möglich verstehen. Wir haben dabei vielleicht einen kleinen Vorteil, weil wir selbst taktische Modelle für die Anlageklassen des Endowment Funds betreiben. Das zwingt uns, die Ertragstreiber und Risiken der einzelnen Kapitalmarktsegmente wirklich sehr gut zu verstehen. Mit diesem Wissen ausgestattet, können wir mit unseren Managern auf Augenhöhe diskutieren. Ich hoffe, dass wir so gute Entscheidungen bei der Auswahl treffen.

Hill: Welche Rolle spielen Fondsboutiquen in diesem Prozess?

Friedrich: Boutiquen spielen eine wichtige Rolle in unserem Fonds. Im Asset Management ist ein größeres Team nicht immer besser. Kleine Einheiten die effizient geführt sind und kurze Entscheidungswege haben, können oft sehr erfolgreich agieren. Ihre Unabhängigkeit hilft ihnen dabei, stil-treu zu bleiben. Allerdings müssen wir von Fall zu Fall abschätzen, ob das Team für seine Aufgabe auch alle nötigen Ressourcen verfügbar hat.

Hill: Sie weisen ja mittlerweile einen 3-jährigen Track Record für Ihren Fonds aus. Wie hat sich der Fonds in dieser Zeit entwickelt?

Friedrich: Ich habe mir unlängst eine alte Präsentation aus dem Jahr 2019 herausgesucht. Zum Zeitpunkt der Lancierung des Fonds hatten wir die Erwartung formuliert, mit unseren speziellen Vermögensstruktur einen Ertrag von durchschnittlich 3,91% über sieben Jahre erwirtschaften zu können. Mir wurde damals gesagt, das sei zu wenig. Heute liegen wir mit einem Gesamtertrag von 13,1% bei exakt 4,1% jährlicher Rendite, und damit erstaunlich nahe an unserer damaligen Modellrechnung.

Spannend wird es allerdings, wenn wir den Endowment Fund gegen die investierbaren Alternativen stellen: denn da stellen Sie fest, dass sich der Fonds in den Top 10% der Peergruppe wiederfindet. Wir konnten einige großen Namen hinter uns lassen.

Hill: Wenn Sie das gegenwärtige makroökonomische Umfeld betrachten, wie sieht hier Ihr „Weltbild“ für die nächsten Jahre aus?

Friedrich: Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich vorausschicken, dass wir im Rahmen unserer Investmentaktivitäten keine Prognosen für makroökonomische Variablen wie Wirtschaftswachstum, Inflation oder ähnliches erstellen. Unsere Positionen sind daher auch nicht von einem bestimmten „Weltbild“ oder ähnlichem abhängig.

Trotzdem beobachten wir aber natürlich die volkswirtschaftlichen Begleitumstände auf das Genaueste, und müssen auch ihre Interaktion mit der Kursentwicklung aller Kapitalmarktsegmente verstehen. Unsere Interpretation der heutigen Situation lässt auf dieser Basis wie folgt zusammen fassen: die globale Konjunktur befindet sind in einer mehr oder minder synchronen Abschwächung. Manche Volkswirtschaften sind wahrscheinlich heute schon in einer Rezession, andere laufen darauf zu. Die Größe und Anzahl der verschiedenen Schocks – Coronabedingte Lieferkettenausfälle, De-Globalisierung, Krieg, überschießende Rohstoffpreise und die höchste Inflation seit fast 50 Jahren – lassen kaum einen andere Schlussfolgerung zu. Allerdings – und das wird von den meisten Kommentatoren geflissentlich übersehen – ist es in einem klassischen Wirtschaftszyklus eigentlich immer so, dass die Inflation ein nachlaufender Indikator ist. Das bedeutet: man sollte erwarten dürfen, dass eine sich konjunkturbedingt abschwächende Nachfrage mittelfristig auch in der Entwicklung der Konsumentenpreise ankommt. Von daher bin ich recht zuversichtlich, dass wir in 12 Monaten wieder deutlich niedrigere Inflationsraten sehen werden. Allerdings werden die Zinserhöhungen auf dem Weg dorthin im Kapitalmarkt nicht unbemerkt bleiben. Investoren sind gut beraten, ihre Portfolios breit zu diversifizieren und der – zwischenzeitlich aus der Mode geratenen – Komponente Bewertung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Hill: Sie sind in Wien tätig. Sind Sie häufiger auch in Deutschland unterwegs?

Friedrich: Klar, ich bin in der dritten Juliwoche bereits wieder in Frankfurt, und plane dann zusätzlich für den Herbst eine Reihe von weiteren Terminen. Vielleicht sieht man sich dann sogar persönlich, bei einem spannenden Vortrag und beim fachlichen Gedankenaustausch vor Ort, ich schätze diese Gespräche sehr.

Hill: Ich wünsche Ihnen vorab schon interessante Termine in Frankfurt. Vielen Dank für das Gespräch.


Martin Friedrich ist Portfoliomanager des Lansdowne Endowment Fonds und Head of Research. Er kam im Januar 2019 zu Lansdowne Partners Austria von HQ Trust, einem der größten unabhängigen Multi-Family Offices in Deutschland. Herr Friedrich war dort seit 2009 beschäftigt, zuletzt als Leiter der Kapitalmarktanalyse und Co-Chief Investment Officer. Zusätzlich betreute er Kundenportfolios und war zuständig für den Investmentprozess von LIQID, einem Fintech Unternehmen in Berlin.

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FRANKFURT & ASSET MANAGEMENT: Finanzplatz Schweiz, Value Investing, Rohstoffe, Frankfurt & Mannheim (Interview – Alex Rauchenstein, SIA Funds AG)  

Schweizer Fondsboutiquen, Value Investing und Rohstoffe sind Themen, die in Inflationszeiten wieder Investoreninteresse wecken. Real Assets erscheinen aktuell immer stärker in den Fokus von privaten und institutionellen Anlegern zu rücken. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alex Rauchenstein, SIA Funds AG, über die Renaissance von Value-Titeln, Swiss Value Day und Natural Resources Day und über die kommenden Aktivitäten im Herbst 2022. (Veranstaltungsmitteilung: Mannheim, 21.6.2022)

Hill: Über Value-Investing wird aktuell wieder engagiert diskutiert. Findet die Renaissance der Value-Titel jetzt wirklich statt?

Rauchenstein: Ja, es ist so ein wenig wie bei der Geschichte mit dem Wolf. Auch wir konnten uns gewisse Bewertungen bei den Wachstumstiteln kaum vorstellen und selbst diese würden in der Covid- Zeit noch übertroffen. So gesehen war wir mit unserer Einschätzung zu früh und haben bereits gegen Ende 2019 von einer Renaissance der Value Titel gesprochen. – und wie beim Wolf glaubt man den Warnern nach einer gewissen Zeit nicht mehr etc. Für uns sind es verschiedene Faktoren, die nun klar für eine Renaissance der Value Titel sprechen. Die Zinswende hat begonnen und damit wird es schwieriger für Businessmodelle die auf günstiges Geld angewiesen sind. Zusätzlich ist die steigende Inflation die Ursache für die steigenden Zinsen. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass der Replacement-Value von Unternehmen mit realen Assets wie Maschinen und großerer Infrastruktur ansteigt.Es wäre wegen der Inflation heute bedeutend teurer diese zu ersetzen. Firmen in diesen Bereichen sind oft in der Value Kategorie zu finden. Letztlich hat nun auch das Momentum zu Gunsten von Value Titeln gedreht und zahlreiche Investoren verstehen nicht, dass die Bewertungen vieler Wachstumstitel nur mit sehr, sehr hohen Wachstumsraten gerechtfertigt werden konnten.

Hill: Vor vier Jahren haben Sie mit einem Natural Ressourcen Day in Zürich begonnen, wie hat sich dieser Anlass entwickelt?

Rauchenstein: Ja, wir hatten vor 4 Jahren die Idee mit einem Natural Resources Day in Zürich auf die anstehende Angebotsknappheit im Rohstoffbereich hinzuweisen. Dabei ging es uns darum Know-How mit Industrieexperten zu vermitteln und nicht einfach nur unseren Fonds in diesem Bereich zu bewerben. Seither hat sich dieser Anlass bei vielen Anlegern etabliert und diese freuen sich darauf wieder neue Dinge aus diesem sehr wichtigen Bereich der Realwirtschaft zu erfahren, denn in der realen Welt sind viele Dinge viel komplexer und facettenreicher als wir uns dies jeweils in der Finanzindustrie vorstellen. 

Alex Rauchenstein, SIA Funds AG
Alex Rauchenstein, SIA Funds AG

Hill: Planen Sie den Swiss Value Day ebenfalls zu wiederholen?

Rauchenstein: Aufgrund des Erfolges unseres Natural Resources Days, kamen wir im letzten Herbst auf die Idee einen Swiss Value Day ins Leben zu rufen, denn in unseren Augen ist die Zeit mehr als reif für eine Renaissance des Value Investing. Nun stand dieser Anlass letzten Freitag, 10. Juni, an und wir freuen uns sehr darüber, dass wir über 100 interessierte Anleger motivieren konnten einen halben Tag mit uns zu verbringen. Auch bei diesem Anlass ging es uns darum, anhand von Einzelunternehmen aufzuzeigen, welche Perlen man heute finden kann, wenn man bereit ist auf die Suche zu gehen. Die Resonanz auf die Veranstaltung hat uns angenehm überrascht, unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Auch diesen Anlass planen wir deshalb in den nächsten Jahren fortzuführen, denn die Trendwende, wieder auf profitable und gute Unternehmen zu fokussieren, hat erst begonnen. Zudem sind diese Zyklen, auf beide Seiten min. einige Jahre lang.

Hill: Welche Anlässe planen Sie in diesem Jahr in Deutschland?

Rauchenstein: In Deutschland steht aufgrund von regem Interesse für unsere beiden Fonds in diesem Jahr einiges an. Wir beginnen mit unsere Lunchpräsentation am 21. Juni im Parkhotel Maritim in Mannheim. Dann geht es weiter mit einer kleinen Roadshow in den Städten München (14.9.2022), Stuttgart (15. 9.2022), Köln (29.9.2022) und Hamburg (30.9.2022). Dazwischen findet unser zur Tradition gewordene jährliche Anlass in Frankfurt (22.9.2022) statt. Der Natural Resources Day ist gegenwärtig für den 16. September 2022 in Zürich geplant. Wir sind somit überzeugt den Interessierten Anlagern eine gute Möglichkeit zu bieten, uns persönlich in diesem Jahr wieder zu treffen. Vorab auch wieder vielen Dank für Ihre Unterstützung als Moderator bei den Veranstaltungen, wir kommen übrigens immer wieder gerne nach Frankfurt am Main. Diese Stadt wird unserer Ansicht nach oft unterschätzt – neben Business bietet die Stadt noch viele interessante Facetten.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Veranstaltungshinweis „Mannheim“ – „INVESTOREN ONLY“ 

Alex Rauchenstein – seit 2006 CEO bei SIA Funds AG – hält ein Execu­tive MBA der Carnegie Mellon Univer­sity sowie ein MBA der Univer­sität Genf und ist Certified European Financial Analyst (CEFA). Vor seiner Zeit bei SIA Funds AG war er verant­wort­licher Leiter des Anlage­pro­zesses bei der Centrum Bank in Liechtenstein und davor Fonds­manager bei der UBS für ost­euro­päische Aktien.

Kurzintro „FONDSBOUTIQUEN & USA-FORMEL“ (Markus Hill) – VORTRAG „Value und Rohstoffaktien back on Track“ (Alex Rauchenstein & Urs Marti, SIA Funds AG) -INFORMATION / LOCATION / ANMELDUNG ZUR VERANSTALTUNG („INVESTOREN ONLY“): info@markus-hill.com / a.rauchenstein@s-i-a.ch – INFORMATION / IDEEN / ANREGUNGEN zum Themenbereich FONDSBOUTIQUEN sind immer willkommen: markus.hill@fondsboutiquen.de Finanzplatz Frankfurt am Main FUND BOUTIQUES CAT BONDS

SIA FUNDS AG SIA | Strategic Investment Advisors Group (s-i-a.ch)

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Quelle: www.fondsboutiquen.de

FRANKFURTRHEINMAIN (WIESBADEN): Studie „Immobilien, Alternative Investments & ESG“  – Allokation von Kryptoassets, Wiesbadener Investorentag und „Fahrradkeller“ (Interview – Alexander Scholz, Telos GmbH)

Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu“ (Danny Kaye). Real Assets werden auch in den kommenden Jahren auf ein ausgeprägtes Interesse bei institutionellen Investoren stoßen – Stichworte: Private Debt, Infrastruktur Equity und Immobilien. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alexander Scholz, Telos GmbH, über die Ergebnisse der aktuell erschienen Telos-Studie zu diesem Themengebiet und über die Bedeutung von ESG-Kriterien und Impact Investing in diesem Segment. Zusätzliche Themen des Gespräches waren das Rating von Kryptofonds und die Allokation von Krypto-Assets, die Ankündigung eines Webcasts zum Thema der Real Asset-Studie sowie ein kurzer Ausblick auf die Themen des aktuell anstehenden 13. Wiesbadener Investorentags.

Hill: Herr Scholz, in unserem letzten Meeting hatten Sie über reale Assets und digitale Welten gesprochen. Was hat sich seitdem bei TELOS getan?

Scholz: Eigentlich könnten wir jetzt das ganze umdrehen und von digitalen Assets und realen Welten reden.

Hill: Wie meinen Sie das?

Scholz: Vor etwa einem Jahr sind wir mit der Distributed Ledger Consulting GmbH (DLC) eine strategische Kooperation im Bereich von Kryptofonds-Ratings eingegangen. DLC als Beratungsgesellschaft und Experte rund um Distributed Ledger Technologien (DLT) wie beispielsweise Blockchains sowie allen mit Digital Assets assoziierten Themen im Finanzmarktumfeld und TELOS als etablierte Ratingagentur für qualitative Analysen von Asset Management Prozessen stellen somit quasi die Verbindung zweier Welten – der des klassischen Asset Managements und der des Digital Asset Managements – her.

Hill: Das bedeutet, TELOS betritt nun auch die digitale Welt des Asset Managements?

Scholz: So kann man es ausdrücken. Wir sehen eine zunehmende Institutionalisierung des Themas Digital- und Krypto Assets. Dies wird nicht zuletzt durch die Finanzaufsicht und die EU unterstützt. Für institutionelle Anleger besonders hervorzuheben ist die richtungsweise Entscheidung des Gesetzgebers, Spezial-AIF gemäß §282 KAGB eine Allokation in Kryptowerten von bis zu 20% zu gestatten. Auch eine Initiative auf EU-Ebene (Entwurf EU-verordnung für Krypto-Märkte – MiCA), die Krypto-Assets faktisch klassischen Assets gleichstellt, unterstützt diese Entwicklung.

Alexander Scholz, TELOS GmbH
Alexander Scholz, TELOS GmbH

Hill: Sie gehen also davon aus, dass sich institutionelle Investoren zunehmend stärker mit den sog. Digital und Krypto Assets auseinandersetzen werden?

Scholz: Erwarten wir nun einen „Run“ auf Krypto Assets durch institutionelle Investoren? Nein! Aber wir sehen durchaus ein steigendes Interesse bei dieser Anlegergruppe an dem Thema. Bei unserer letztjährigen Wiesbadener Alternative Konferenz hat TOBAM einen Vortrag zum Thema Bitcoin im Kontext einer Gesamt-Asset-Allokation gehalten. Dieser stieß auf großes Interesse bei den anwesenden Investoren. Auch die Ergebnisse unserer diesjährigen Spezialfondsmarktstudie belegen diesen Trend. In den USA sind die institutionellen Anleger schon einige Schritte weiter und haben Krypto Assets bereits als Baustein in ihre Asset Allokation integriert. Bestärkt wird dieses Vorgehen durch mehrere Studien, die einen positiven Einflusses einer gewissen Allokation von Kryptowerten in unterschiedlichen Portfoliokonstruktionen auf die Sharpe Ratio aufzeigen.

Hill: Gibt es denn schon konkrete Ratingprojekte in diesem Bereich?

Scholz: Auch wenn die Krypto Asset Fonds nicht wie Pilze aus dem Boden sprießen, so gibt es durchaus erste Angebote in diesem Bereich. Wir stehen aktuell kurz vor Abschluss des ersten Krypto-Fondsratings, das wir zusammen mit unserem Kooperationspartner DLC durchführen. Das Ratingergebnis werden wir in Kürze veröffentlichen. Auch mit anderen Fondsinitiatoren sind wir diesbezüglich im Austausch. Es dürften also weitere Ratings folgen.

Hill: Bewegt sich TELOS auch noch in der realen Welt?

Scholz: Nachdem ich ja beim letzten Mal ein Plädoyer für das „echte“ Leben gehalten habe, wäre es fatal, wenn ich nun nur noch über virtuelle Dinge reden würde. Spaß beiseite, aktuell sind wir in der finalen Vorbereitung unserer Investorenkonferenz am 23. Juni. Nachdem es in den letzten Jahren Corona-bedingt herausfordernd war, eine Präsenzveranstaltung zu planen und durchzuführen, können wir dieses Jahr entspannter sein, auch wenn wir nicht so stark betroffen waren wie andere große Veranstaltungen wie zum Beispiel der Institutional Money Kongress. Da hatten wir es mit unserem eher familiäreren Format leichter. Wir konnten mit etwas kreativer Zeitplanung und einer Portion Glück auch in 2020 und 2021 unseren Investorentag als Präsenzveranstaltung abhalten.

Hill: Steht die Veranstaltung unter einem bestimmten Thema?

Scholz: Da haben wir diesmal voll ins Schwarze getroffen. Mit dem Titel „Kreative Lösungsansätze in volatilen Zeiten – Verschuldung, Zinsniveau, Politik 2.0“ sprechen wir alle aktuellen Themen an, die derzeit Investoren bewegen. Zum Thema Inflation haben wir zudem mit Prof. Dr. Thomas Mayer vom Flossbach von Storch Research Institut einen anerkannten Experten als Keynote-Speaker gewinnen können. In den weiteren Fachvorträgen kommen Kapitalanlageexperten von nationalen und internationalen Assetmanagement-Gesellschaften zu Wort – darunter auch einige Vertreter Ihres Spezialgebietes „Fondsboutiquen“.

Hill: Sie haben kürzlich zusammen mit artis Institutional Capital Management eine umfangreiche Studie zum Anlageverhalten institutioneller Anleger im Bereich der Alternativen Investments veröffentlicht. Können Sie uns ein paar Highlights verraten?

Scholz: Zunächst gilt hier der Dank den vielen Teilnehmern, ohne deren Mitwirken die Studie nicht möglich gewesen wäre. Insgesamt haben mehr als 60 Investoren mit einem Anlagevolumen von rund 1,2 Billionen Euro die Fragen unserer Studie zu den Investment-Themen Immobilien, Alternative Assets und ESG beantwortet. Insofern sind die Ergebnisse absolut repräsentativ. Immobilien sind weiterhin eine bei institutionellen Investoren beliebte Anlageklasse, wenngleich die Wachstumsdynamik hier rückläufig zu sein scheint. Dies ist nicht zuletzt auf eine gewisse Sättigung bei den Investmentquoten zurückzuführen – viele Investoren haben ihre Maximalquoten erreicht. Neue Nutzungsarten sind nur noch bedingt gefragt. Private Debt und Infrastructure Equity dürften die neuen Stars in den kommenden Jahren werden. Hier sind massive Aufstockungen seitens der institutionellen Investoren vorgesehen. Insbesondere Energiethemen werden bei Infrastructure und Private Debt bevorzugt. Bei Erstinvestitionen in die Assetklasse Private Debt stehen Real Estate-Themen im Fokus der institutionellen Investoren. Das Thema Nachhaltigkeit hat weiter an Bedeutung gewonnen – sowohl exogen durch aufsichtsrechtliche Vorgaben ausgelöst, aber insbesondere auch in der internen Wahrnehmung seitens der institutionellen Investoren sowie der Berücksichtigung von ESG Aspekten bei Investitionen in Alternative Assets. Auch das Thema Impact Investing stößt auf zunehmendes Interesse seitens der Investoren. Die Erkenntnisse aus der Studie haben wir auch in einem kurzweiligen Web-Cast diskutiert, das in Kürze „viral“ gehen wird – eigentlich eine schöne Kombination aus realen Werten und virtueller Kommunikation. Vielen Dank übrigens an dieser Stelle für Ihre Moderation der Diskussionsrunde. Jeder der „Panelisten“ in der Runde hatte Freude an der fachlichen Diskussion zum Themenkreis Immobilien, Alternative Assets und ESG. Sebastian Thürmer (artis Institutional Capital Management), Bernhard Graeber (EB – Sustainable Investment Management) und ich (Telos) konnten hier auf die verschiedensten Aspekte der Studie eingehen. Die Sichtweise von Herrn Graeber, mit seiner langjährigen Erfahrung als Portfoliomanager und als „Einkäufer“ von Projekten in den Bereichen Solar- und Windkraft (Due Diligence, Regulierung), hat noch zusätzliche Aspekte zu den Ergebnissen unserer Studie (artis & Telos) in die Diskussion mit einbringen können. Dieser Input von ihm hat für uns auch Ideen und Gedanken zu alternativen Fragestellungen geführt, auch beim ihm bedanken wir uns an dieser Stelle herzlich!

Hill: Welche Projekte stehen bei TELOS sonst noch in 2022 an?

Scholz: Auch wenn wir uns primär auf qualitative Analysen fokussiert haben, so lassen wir dennoch die Welt der Zahlen nicht außer Acht. Hierzu haben wir schon seit einiger Zeit bei unseren Fondsratings neben den qualitativen Aspekten auch eine quantitative Bewertung durchgeführt, die dann in die Gesamtnote eingeflossen ist. Diese quantitative Bewertung werden wir demnächst auch losgelöst von qualitativen Ratings durchführen und Investoren zur Verfügung stellen. Dabei haben wir das quantitative Rating so konzipiert, dass es durchaus gute Rückschlüsse auf die Qualität der Asset Management Prozesse und des Risikomanagements zulässt.

Hill: Bleibt bei den ganzen Projekten überhaupt noch Zeit für Ihr Hobby?

Scholz: Zum Glück werden die Abende wieder länger. Mittlerweile kann man schon wieder bis 21 Uhr draußen Radfahren. Und wenn es doch mal zu knapp wird bleibt mir ja immer noch die virtuelle Welt im Keller.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Veranstaltungshinweis „13. Wiesbadener Investorentag“ (23.6.2022): https://www.telos-rating.de/page/wiesbadener-investoren-tag

Alexander Scholz ist seit Juni 2016 Gesellschafter und Geschäftsführer der TELOS GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Finanzmarkt- und Kapitalanlageerfahrung.
Vor seinem Eintritt bei TELOS war er u.a. in leitender Funktion bei verschiedenen Banken und Asset Management Gesellschaften mit Aufgaben aus den Bereichen Asset Management Consulting, Investmentprozess- und Fondsanalyse, Portfolio Management, Produktentwicklung, Investment Controlling und Reporting, Kundenbetreuung sowie Handelsrevision betraut.
Herr Scholz verfügt über einen Studienabschluss der Betriebswirtschaftslehre der Fachhochschule Mainz.

Telos GmbHwww.telos-rating.de

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Quelle: www.fondsboutiquen.de