FRANKFURT & KNOWHOW: Finanzplatz Frankfurt, Knowhow, Asset Management & Social Media, Investor Education, Fondsboutiquen, Family Offices, Don Bosco, ESG und Impact Investing (Interview IPE-D.A.CH – Frank Schnattinger & Markus Hill)

„Frankfurt ist laut THE ECONOMIST eine sehr lebenswerte Stadt, zudem macht hier der gepflegte fachliche Gedankenaustausch zu Asset-Management-Themen große Freude“

Finanzplatz Frankfurt, Knowhow, Asset Management & Social Media, Investor Education, Fondsboutiquen, Family Offices, Don Bosco, ESG und Impact Investing – IPE D.A.CH Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit Markus Hill über diese Themengebiete sowie über Fachdiskussionen vor Ort zu einer Investorenstudie von Telos & Artis und dem Consultant Day von Caceis. Zusätzlich wurden Themen wie „Schweizer in Deutschland“ und Frankfurter in Indien erörtert und Hinweise auf Aktivitäten im 2. Halbjahr 2022 gegeben.

IPE D.ACH: Frankfurt gehört zu den 10 lebenswertesten Städten Deutschlands. Hat Sie dieses Ergebnis erstaunt?
Hill: Frankfurt ist laut THE ECONOMIST eine sehr lebenswerte Stadt, zudem macht hier der gepflegte fachliche Gedankenaustausch zu Asset-Management-Themen große Freude. Sie haben recht mir Ihrer Formulierung, dem Erstaunen. Es kam für viele Fans und auch „Gegner“ der Stadt wohl sehr überraschend, unverhofft. Natürlich hat es mich überrascht. Ich habe die Stadt mittlerweile ins Herz geschlossen, kenne aber durchaus auch deren etwas unappetitlicheren Seiten. Übrigens, diese Betrachtung lässt sich auf viele Städte übertragen, auch auf meine ursprüngliche Heimat, Köln. Ich hatte zwei Meldungen zu diesem Ranking auf meinem „Finanzplatz Frankfurt am Main“-Kanal auf LinkedIn gepostet. Überwiegend gab es positive Rückmeldungen beim ersten Posting (Artikel: „Frankfurt ist so lebenswert wie nie.“, FRANKFURTER NEUE PRESSE) Beim zweiten, kritischen Posting (Artikel: „Frankfurt am Main: Waren die Entscheider auf Crack?!“, DIE ZEIT) gab es dann doch sehr interessante Reaktionen. Ich fand das sehr gut, zumal hier noch Optimierungspotenziale für die Stadt gezielt angesprochen wurden. Da ich neben meinem „Frankfurt-Promotion-Hobby“ ein paar fachlich orientierte Communities auf LinkedIn betreue (FONDSBOUTIQUEN, PRIVATE LABEL FONDS, FUNDS BOUTIQUES, CAT BONDS), verfolge ich die Kommunikations-Dynamik auf diesen verschiedenen Kanälen mit großem Interesse. Die Asset Management-Branche verhält sich im Durchschnitt betrachtet in Sachen Social Media & Asset Management meiner Ansicht nach immer noch etwas reserviert, suchend und durchaus auch unsicher. Interessant ist hier vor allen Dingen, dass es hier eine Lücke zwischen den Generationen zu geben scheint. Auf verschiedene Vertreter der traditionell orientierten „Print-Medien-Fraktion“ erscheint dieses Medium wohl noch etwas geheimnisvoll, vielleicht sogar als in Teilen „unseriös“. Ich hatte wohl das Glück, dass ich mich seit 2013 sehr aktiv mit diesem Themenfeld beschäftigt habe. Auch ich bin heute noch Lernender, mache meine Fehler – gerade junge Leute erscheinen diesbezüglich sozusagen fluider im Denken zu sein, sie arbeiten und leben teilweise sehr intensiv mit diesen Medien (LinkedIn, Xing, Instagram & Co.). Mit allen Vor- und Nachteilen, hier können die Alten noch viel von den Jungen lernen. Natürlich sollte man einen negativen Aspekt nicht vergessen – nur Social Media ohne analoge Welt sollte als Gefahr betrachtet werden. Bildung braucht Aufmerksamkeitspanne, Konzentrationsfähigkeit und Frustrationstoleranz, hier gibt es unbestreitbar sehr negative Auswirkungen dieser Medien. Übrigens, beim Thema Frankfurt geht es immer sehr leidenschaftlich zu – im Gegensatz zur rein fachlich orientierten Diskussion bei meinen anderen LinkedIn-Kanälen. Ich mag Frankfurt einfach sehr gerne, obwohl ich, in Bonn geboren, 1996 aus Köln dorthin gezogen bin. Als Rheinländer habe ich dieses „Dorf mit Wolkenkratzern“ tief ins Herz geschlossen!

IPE D.ACH: Sie unterstützen, bewerben und organisieren auch ab und an Veranstaltungen vor Ort. Was macht die Location Frankfurt so interessant?
Hill: Wie gesagt, wenn man sich stärker mit den Netzwerken vor Ort, neudeutsch „Ökosysteme“, beschäftigt, dann wird einem sehr klar, dass es eine Vielfalt von Meinungen, Knowhow, Nationalitäten, Freizeitangeboten und mehr gibt. Wie oben beschrieben, man kann geteilter Meinung sein. Unbestritten ist, dass der Finanzplatz Frankfurt in Hessen ein weites Einzugsgebiet hat. Wirtschaftlich gesehen kann man es zum Beispiel mit der Vernetzung und Ausdehnung des Ruhrgebietes vergleichen. Mit dem einen, entscheidenden Unterschied: Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und Hessen als Bundesland – natürlich ist hier vor Ort die Wirtschaftskraft eine ganz andere. Hochschulen, Kooperationen, der Flughafen, die Internationalität, die unbestrittene Rolle als Finanzzentrum sind alles Punkte für Frankfurt. Dazu kommt die zentrale Lage in Deutschland – man ist schnell überall und ist für „Überall“ in Deutschland auch recht schnell erreichbar. Das Museumsufer, Eintracht Frankfurt, EZB, die einzigartige Skyline von Frankfurt – zu mindestens sehr viele Punkte, die diese Location bundesweit und international, nicht nur für Events und Gedankenaustausch, interessant machen. Und nein – ich habe keinen Vertrag mit dem Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, bin aber zugegebenermaßen in meinen Ansichten etwas weniger neutral. Beeindruckt haben mich auch die Aktivitäten von Organisationen vor Ort wie zum Beispiel Frankfurt Main Finance, Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH und FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region. Wie bei mir, kann man auch diesen Organisationen eine gewisse Befangenheit nicht absprechen. Fakt ist aber, dass diese und viele andere Organisationen dieses „Frankfurt-Fan-Netzwerkes“ auf exzellente Weise kooperieren, sich oft die Bälle vor Ort gegenseitig zuspielen.

IPE D.ACH: Sie sind als Asset Management Consultant tätig. Welche Themen verfolgen Sie derzeit mit größerem Interesse?
Hill: Value Investing, Rohstoffe, Dachfonds, Real Assets und ESG und Impact Investing. Diese Gebiete schaue ich mir seit langer Zeit genauer an. Hierbei sehe ich weniger auf die Produkthülle, die Verpackung. Publikumsfonds, Spezialfonds, Liquide versus Illiquide (AIF), Direktinvestments – interessanterweise wird es hier, wie so oft, an „den Rändern“ bei der Marktbeobachtung sehr interessant. Eine von vielen Gelegenheiten, sich zusätzlich zu diesen Bereichen auszutauschen hatte ich im ersten Halbjahr durch die Moderation verschiedener Panels beziehungsweise von Veranstaltungen mit Berührungspunkten zu diesen Themenkreisen. Auch hier hat Frankfurt als Veranstaltungsort wieder eine Rolle als hochwertiges Ökosystem unter Beweis gestellt. Zum Themenkreis Family Offices & Impact Investing konnte ich eine interessante Diskussion beim 5. Sustainable Investor Summit begleiten. Ein Schwerpunkt hier waren neben Due Diligence und der Bedeutung der NextGen als Investoren auch der Stand der aktuellen Diskussion zum Themenkreis „Sinnökononomie“. Die Diskussion hatte insofern auch einen persönlichen Bezug, da ich früher oft im Don Bosco-Club in Köln an Betreuung und Jugendfahrten teilnehmen konnte und es hier um Bildung, Don Bosco und Emission von Anleihen für Studenten ging. Bei der Markets Group hatte ich im Mai die Gelegenheit, eine Panel-Diskussion auf dem 4th Annual Germany Institutional Forum zu begleiten. Hier hatte sich mit Karg Stiftung, FERI und Mirabaud ein interessantes Gespräch zu Feldern wie Alternative Investments, Rohstoffe und Wandelanleihen ergeben.  Die Themen „Immobilien, Alternative Investments und ESG“ konnte ich ausführlich bei einer Video-Diskussion in Frankfurt erörtern. Seed Money, Investor Education, Fondsboutiquen und Infrastrukturinvestments waren einige der Stichworte, die hier angesprochen wurden in einer Video-Produktion für die EB-SIM-Akademie. Ich hatte hier die Gelegenheit ausführlich mit Bernhard Graeber von der EB-SIM, Alexander Scholz von Telos und Sebastian Thürmer von Artis zu sprechen. Die EB – Sustainable Investment Management (EB-SIM) hat die Studie von Telos & Artis (Initiatoren der Studie, 2021 & 2022) mit unterstützt, das Format der Diskussion hat mir viel Freude bereitet. Besonders interessant war auch die Sichtweise von Herrn Graeber, da er zum einen die Rolle des Asset Managers im Bereich Erneuerbare Energien darstellen konnte, er zum anderen aber auch aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei EnBW und Talanx interessante Einblicke in den Prozess der Due Diligence von Investments geben konnte. Auf dem Consultant Day von Caceis konnte ich vor zwei Wochen die Ergebnisse Funds Europe-Studie zum Themenkreis „Climate Risk & Asset Management“ in Frankfurt vortragen und im Anschluss eine Panel-Diskussion mit Experten von Caceis, Amundi, Credit Plus, und Credit Agricole CIB führen. Hier wurden Themen angesprochen wie ESG, Produktmanagement, Wissensmanagement und die Bedeutung von Daten in diesen Segmenten hinsichtlich Qualität, Quantität und Konsistenz (Beispiel: Künstliche Intelligenz & ESG-Ratings).

IPE D.ACH: Welche Themen und Aktivitäten stehen bei Ihnen im 2. Halbjahr stärker auf der Agenda?
Hill: Auch in diesem Jahr werde ich wieder die Veranstaltung „Value Investing, Rohstoffe & Investieren wie ein Unternehmer“ begleiten, in der Schweiz steht in Zürich zusätzlich der Natural Resources Day an. Zusätzlich werde ich noch bei Moderation und Einladungen unterstützend tätig sein bei weiteren Formaten von SIA Funds AG. Im September werden SIA Funds in Kooperation mit der FAM Frankfurt Asset Management AG (Frankfurter Fondsboutique, Investments in High Yield-Anleihen) auch noch Veranstaltungen in Köln, München und Hamburg durchführen. Die Firma Honovi unterstützt Martin Friedrich von Lansdowne Partners Austria (LPA) als Placement Agent, auch hier befinden wir uns in der Planung für Event-Formate. Hier gibt es ein interessantes Diskussionsfeld hinsichtlich der Rolle von Dachfonds für semi-institutionelle sowie auch für private, hochvermögende Anleger.  Im Juni hatte ich diesbezüglich bei der Markets Group auf dem Private Wealth Germany Hamburg Forum die Gelegenheit, ein Family Office-Panel zum Themenkreis „Aktuelle Investmenttrends bei Family Offices, Impact Investing & ESG“ zu begleiten. Bei Tobias Karow vom stiftungsmarktplatz.eu hatte ich durch eine kurze Telefonumfrage „Was können Stiftungen von Family Offices lernen“, ebenso ein interessantes Thema für mein zweites Halbjahr auf dem Tisch bekommen. Ich werde diese Umfrage – etwas strukturierter – wieder im Herbst durchführen, eine kleine Gedankenaustausch-Veranstaltung hierzu ist auch in Planung. Mit Interesse beobachte ich auch die Entwicklung im Bereich Immobilien. Vielleicht bewegen sich hier viele Dinge. Einmal Out-of-the-Box betrachtet – ich interessiere mich für Indien und die indische Kultur, esse mit Begeisterung indische Küche, auch als Nicht-Vegetarier. Netterweise hatte ich die Gelegenheit auf Einladung von Red Ribbon Asset Management einmal vor Ort einen Einblick zum Thema Standortanalyse „Immobilien“ in Delhi und Mumbai zu erhalten. Sunny Chowdhry (Fondsadvisor, Substantia Real Estate) hatte mir hier netterweise einige der Faktoren erläutert, warum sich europäische Investoren zumindest einmal intensiver mit dem Themenkreis Emerging Markets und der Rolle Indiens bei Investments in Immobilien beschäftigen sollten.

IPE D.ACH: Vielen Dank für die Einblicke.


Quelle: www.institutional-investment.de

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FRANKFURT & ASSET MANAGEMENT: Finanzplatz Schweiz, Value Investing, Rohstoffe, Frankfurt & Mannheim (Interview – Alex Rauchenstein, SIA Funds AG)  

Schweizer Fondsboutiquen, Value Investing und Rohstoffe sind Themen, die in Inflationszeiten wieder Investoreninteresse wecken. Real Assets erscheinen aktuell immer stärker in den Fokus von privaten und institutionellen Anlegern zu rücken. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alex Rauchenstein, SIA Funds AG, über die Renaissance von Value-Titeln, Swiss Value Day und Natural Resources Day und über die kommenden Aktivitäten im Herbst 2022. (Veranstaltungsmitteilung: Mannheim, 21.6.2022)

Hill: Über Value-Investing wird aktuell wieder engagiert diskutiert. Findet die Renaissance der Value-Titel jetzt wirklich statt?

Rauchenstein: Ja, es ist so ein wenig wie bei der Geschichte mit dem Wolf. Auch wir konnten uns gewisse Bewertungen bei den Wachstumstiteln kaum vorstellen und selbst diese würden in der Covid- Zeit noch übertroffen. So gesehen war wir mit unserer Einschätzung zu früh und haben bereits gegen Ende 2019 von einer Renaissance der Value Titel gesprochen. – und wie beim Wolf glaubt man den Warnern nach einer gewissen Zeit nicht mehr etc. Für uns sind es verschiedene Faktoren, die nun klar für eine Renaissance der Value Titel sprechen. Die Zinswende hat begonnen und damit wird es schwieriger für Businessmodelle die auf günstiges Geld angewiesen sind. Zusätzlich ist die steigende Inflation die Ursache für die steigenden Zinsen. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass der Replacement-Value von Unternehmen mit realen Assets wie Maschinen und großerer Infrastruktur ansteigt.Es wäre wegen der Inflation heute bedeutend teurer diese zu ersetzen. Firmen in diesen Bereichen sind oft in der Value Kategorie zu finden. Letztlich hat nun auch das Momentum zu Gunsten von Value Titeln gedreht und zahlreiche Investoren verstehen nicht, dass die Bewertungen vieler Wachstumstitel nur mit sehr, sehr hohen Wachstumsraten gerechtfertigt werden konnten.

Hill: Vor vier Jahren haben Sie mit einem Natural Ressourcen Day in Zürich begonnen, wie hat sich dieser Anlass entwickelt?

Rauchenstein: Ja, wir hatten vor 4 Jahren die Idee mit einem Natural Resources Day in Zürich auf die anstehende Angebotsknappheit im Rohstoffbereich hinzuweisen. Dabei ging es uns darum Know-How mit Industrieexperten zu vermitteln und nicht einfach nur unseren Fonds in diesem Bereich zu bewerben. Seither hat sich dieser Anlass bei vielen Anlegern etabliert und diese freuen sich darauf wieder neue Dinge aus diesem sehr wichtigen Bereich der Realwirtschaft zu erfahren, denn in der realen Welt sind viele Dinge viel komplexer und facettenreicher als wir uns dies jeweils in der Finanzindustrie vorstellen. 

Alex Rauchenstein, SIA Funds AG
Alex Rauchenstein, SIA Funds AG

Hill: Planen Sie den Swiss Value Day ebenfalls zu wiederholen?

Rauchenstein: Aufgrund des Erfolges unseres Natural Resources Days, kamen wir im letzten Herbst auf die Idee einen Swiss Value Day ins Leben zu rufen, denn in unseren Augen ist die Zeit mehr als reif für eine Renaissance des Value Investing. Nun stand dieser Anlass letzten Freitag, 10. Juni, an und wir freuen uns sehr darüber, dass wir über 100 interessierte Anleger motivieren konnten einen halben Tag mit uns zu verbringen. Auch bei diesem Anlass ging es uns darum, anhand von Einzelunternehmen aufzuzeigen, welche Perlen man heute finden kann, wenn man bereit ist auf die Suche zu gehen. Die Resonanz auf die Veranstaltung hat uns angenehm überrascht, unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Auch diesen Anlass planen wir deshalb in den nächsten Jahren fortzuführen, denn die Trendwende, wieder auf profitable und gute Unternehmen zu fokussieren, hat erst begonnen. Zudem sind diese Zyklen, auf beide Seiten min. einige Jahre lang.

Hill: Welche Anlässe planen Sie in diesem Jahr in Deutschland?

Rauchenstein: In Deutschland steht aufgrund von regem Interesse für unsere beiden Fonds in diesem Jahr einiges an. Wir beginnen mit unsere Lunchpräsentation am 21. Juni im Parkhotel Maritim in Mannheim. Dann geht es weiter mit einer kleinen Roadshow in den Städten München (14.9.2022), Stuttgart (15. 9.2022), Köln (29.9.2022) und Hamburg (30.9.2022). Dazwischen findet unser zur Tradition gewordene jährliche Anlass in Frankfurt (22.9.2022) statt. Der Natural Resources Day ist gegenwärtig für den 16. September 2022 in Zürich geplant. Wir sind somit überzeugt den Interessierten Anlagern eine gute Möglichkeit zu bieten, uns persönlich in diesem Jahr wieder zu treffen. Vorab auch wieder vielen Dank für Ihre Unterstützung als Moderator bei den Veranstaltungen, wir kommen übrigens immer wieder gerne nach Frankfurt am Main. Diese Stadt wird unserer Ansicht nach oft unterschätzt – neben Business bietet die Stadt noch viele interessante Facetten.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Veranstaltungshinweis „Mannheim“ – „INVESTOREN ONLY“ 

Alex Rauchenstein – seit 2006 CEO bei SIA Funds AG – hält ein Execu­tive MBA der Carnegie Mellon Univer­sity sowie ein MBA der Univer­sität Genf und ist Certified European Financial Analyst (CEFA). Vor seiner Zeit bei SIA Funds AG war er verant­wort­licher Leiter des Anlage­pro­zesses bei der Centrum Bank in Liechtenstein und davor Fonds­manager bei der UBS für ost­euro­päische Aktien.

Kurzintro „FONDSBOUTIQUEN & USA-FORMEL“ (Markus Hill) – VORTRAG „Value und Rohstoffaktien back on Track“ (Alex Rauchenstein & Urs Marti, SIA Funds AG) -INFORMATION / LOCATION / ANMELDUNG ZUR VERANSTALTUNG („INVESTOREN ONLY“): info@markus-hill.com / a.rauchenstein@s-i-a.ch – INFORMATION / IDEEN / ANREGUNGEN zum Themenbereich FONDSBOUTIQUEN sind immer willkommen: markus.hill@fondsboutiquen.de Finanzplatz Frankfurt am Main FUND BOUTIQUES CAT BONDS

SIA FUNDS AG SIA | Strategic Investment Advisors Group (s-i-a.ch)

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FINANZPLATZ FRANKFURT: Real Assets, Digital Assets, ESG und Master KVG-Studie – virtuelle Welten, Smarttrainer & isotonische Kaltgetränke (Interview – Alexander Scholz, Telos GmbH)

Real Assets, Digital Assets, Alternative Investments und ESG – viele dieser Themen werden auch in 2022 mit großem Interesse von Asset Management Consultants verfolgt. Markus Hill sprach für Finanzplatz Frankfurt Main mit Alexander Scholz, Telos GmbH, über den aktuellen Fokus von institutionellen Investoren in diesen Anlage-Segmenten und über aktuelle Ergebnisse der Telos Master-KVG-Studie. Abgerundet werden seine Ausführungen durch Gedanken zu virtuellen und realen Welten, Smarttrainer und isotonischen Kaltgetränken.

Hill: Herr Scholz, Sie bei TELOS pflegen ja eine enge Beziehung zu institutionellen Investoren, sind hier konstant im Dialog. Was beobachten Sie aktuell in dieser Anlegergruppe?

Scholz: Wir sehen weiterhin einen ganz klaren Trend zu den sogenannten Alternativen Investments. Neben dem Klassiker Immobilien sind dies nun vor allem Private Debt, Infrastruktur und Erneuerbare Energien. Dies zeigen klar die Ergebnisse verschiedenen Umfragen, die wir durchgeführt haben. Bestehende Quoten sollen ausgebaut werden oder bisherige „Nichtinvestoren“ wollen neu in die Assetklassen einsteigen. Zudem registrieren wir ein steigendes Interesse an intelligenten Risikomanagementstrategien. Gerade der Januar hat wieder gezeigt, dass die Kapitalmärkte nun mal keine Einbahnstraße sind und dass die alte Regel der kommunizierenden Röhren (wenn die Aktien fallen, dann steigen die Renten/Staatsanleihen) nicht immer greift. Hier sind einige statische Sicherungsansätze an ihre Grenzen gestoßen. Das dritte große Thema sind die drei Buchstaben „E“, „S“ und „G“ – also Nachhaltigkeit. Getrieben durch verschiedene Faktoren gewinnt das Thema ESG bei den Investoren immer mehr an Bedeutung und beschäftigt dies zunehmend mehr. Dies betrifft zum einen die interne Seite durch das Entwickeln hauseigener ESG Strategien. Dies betrifft aber auch die externen Partner der Investoren durch die steigenden Anforderungen an deren Leistungsfähigkeit im Bereich Nachhaltigkeit. Gerade beim Thema ESG schauen die Investoren ihren Asset Managern zunehmend kritischer auf die Finger.

Alexander Scholz, Telos GmbH

Hill: Sie betreuen ja auch das Segment der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGs) – welchen aktuellen Trends sehen Sie hier derzeit?

Scholz: Auch bei den Administrationsdienstleistern, insbesondere bei den KVGen, spielen Alternatives und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Durch die Veränderungen in den Allokationen der institutionellen Investoren mit steigenden Alternative-Quoten stehen die KVGen vor der großen Herausforderung, diese administrieren und in das ganzheitliche Reporting für die Investoren aber auch in das aufsichtsrechtliche Reporting zu müssen. Hier sehen wir deutliche Anstrengungen bei den KVGen, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Die zweite Baustelle ist das Thema ESG. Dies betrifft die KVGen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen müssen sie in der Lage sein, die meist individuellen ESG-bezogenen Anlagerestriktionen überwachen zu können. Zum anderen steigen die Anforderungen der Investoren an ein aussagefähiges Nachhaltigkeitsreporting. Hier reicht der Ausweis eines irgendwie berechneten Carbon-Footprint bei Weiten nicht mehr aus. Die Investoren fordern, teils getrieben durch die Aufsicht, wesentliche detailliertere ESG-Reports und Analysen. Dies bedingt oftmals den Bezug der relevanten Daten von mehreren externen ESG-Datenanbietern, was i.d.R. eine kostspielige Angelegenheit ist und wofür die Investoren in der Breite nicht zwingend bereit sind, zusätzliche Gebühren zu zahlen. In unserer aktuellen Telos Master-KVG Studie haben wir diese und weitere interessante Aspekte rund um den Bereich Master-KVG beleuchtet.

Hill: Welche Projekte stehen bei TELOS schwerpunktmäßig in 2022 an?

Scholz: Wenn ich jetzt wieder auf Alternatives und Nachhaltigkeit eingehe, denken Sie vermutlich, ich habe einen Sprung in der Platte. Spaß beiseite, natürlich beschäftigen auch wir uns mit diesen Themen. So analysieren wir Asset Manager, Administrationsdienstleister aber auch Fonds hinsichtlich der Leistungsfähigkeit sowie Umsetzung von ESG. Dabei geben wir jedoch nicht vor, was „gut“ oder „böse“ ist, sondern schauen uns das Thema eher in einem holistischen Verfahren prozessual an, d.h. hat der Asset Manager seine Prozesse und seine Struktur in Bezug auf ESG ausgerichtet. Ein anders spannendes Thema, mit dem wir uns befassen, ist die immer stärkere Digitalisierung im Asset Management. Dies betrifft KI-basierte Investmentstrategien, dies betrifft aber auch völlig neue Fondskonzepte, die in digitale Assets wie Kryptowährungen oder andere Token-basierte Assets investieren. Auch im Bereich der Administration wird dieses Thema zukünftig eine große Rolle spielen, denn durch den Einzug digitaler Asset müssen sowohl KVGen als auch Verwahrstellen ihre Prozesse anpassen und teilweise ihr gesamtes Geschäftsmodell überprüfen. Ansonsten werden wir wieder unsere beiden Investoren-Konferenzen, den Wiesbadener Investorentag am 23. Juni und die Wiesbadener Alternative Konferenz am 13. Oktober durchführen – beides als Präsenzveranstaltung. Zudem werden wir auch die ein oder andere Online-Veranstaltung anbieten, wie z.B. am 3. März zum Thema Private Debt.

Hill: Verlassen wir die berufliche Ebene. Sie sind ja ein begeisterter Radfahrer. Wie sind Sie durch den schmuddeligen Winter gekommen?

Scholz: Auch als Radfahrer habe ich mich inzwischen an ein Leben der virtuellen Welt gewöhnt. Meine Saisonvorbereitung findet inzwischen nahezu komplett im heimischen Keller statt. Hier habe ich die Möglichkeit, auf verschiedenen Online-Plattformen mit meinem Smarttrainer zu trainieren. Dabei kann ich gezielte Trainingsprogramme absolvieren oder auch zur Vorbereitung Strecken virtuell abfahren, die ich später im Jahr real fahren werde. Und wenn ich mich mit anderen Rennradfahrern messen möchte, kann ich an Online-Rennen teilnehmen. Trotzdem ersetzt das natürlich nicht eine Ausfahrt bei sonnigem Wetter mit Freunden in der realen Welt – das gesellige isotonische Kaltgetränk am Ende der Runde eingeschlossen.



TELOS GmbH:
telos-rating.de

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FINANZPLATZ FRANKFURT MAIN: Sind Fondsboutiquen die Gewinner der COVID-Krise? – Alternative Anlageklassen, ESG, „Alter Mann & Nylonklamotten“ etc. & Veranstaltungshinweis „Wiesbadener Alternative Konferenz“, 4.11.2021 (Interview – Alexander Scholz, TELOS GmbH)

„Achtsamkeit bedeutet, dass wir ganz bei unserem Tun verweilen, ohne uns ablenken zu lassen“ (Dalai Lama). Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alexander Scholz, TELOS GmbH, über Themen wie Fondsboutiquen & COVID-Krise, „Webinar-Müdigkeit“ versus Persönliches Gespräch sowie über ESG und die Bedeutung der sogenannten Alternativen Anlageklassen in diesem Asset Manager-Segment. Zusätzlich wurden Themen wie „Alter Mann & Nylonklamotten“, Taunus und Giro d’Italia diskutiert (Veranstaltungshinweis: Wiesbadener Alternative Konferenz, 4.11.2021).

Hill: Herr Scholz, Sie führen mit TELOS regelmäßig Markterhebungen bei institutionellen Investoren durch. Gibt es darunter auch gezielte Untersuchungen bezüglich spezialisierter, kleinerer Asset Management Fondsboutiquen?

Scholz: Speziell auf kleinere Asset Management Gesellschaften ausgerichtete Markterhebungen führen wir nicht durch. Aber in der seit 2004 jährlich Zufriedenheitsstudie, in der institutionelle Investoren bezüglich ihrer Zufriedenheit mit ihren Asset Managern befragt werden, differenzieren wir zwischen drei Größenklassen – „Große Asset Manager“ (ab 150 Mrd. Euro AuM), „Mittlere Asset Manager“ (51 bis 150 Mrd. Euro AuM) und „Kleinere Asset Manager“ (bis 50 Mrd. Euro AuM). Insofern haben wir zumindest im Punkt Anlegerzufriedenheit eine lange Datenhistorie.

Alexander Scholz, Geschäftsführer und Gesellschafter der TELOS GmbH
Alexander Scholz, Geschäftsführer und Gesellschafter der TELOS GmbH 

Hill: Das klingt spannend. Wie schlagen sich die Fondsboutiquen im Vergleich zu den anderen Kategorien?

Scholz: In den Anfängen waren die kleineren Asset Manager noch deutlich unterrepräsentiert bei den Nennungen. D.h. sie haben in den Portfolien der institutionellen Anleger kaum eine Rolle gespielt. Dies hat sich aber in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Inzwischen macht die Gruppe der kleineren Asset Manager mehr als ¼ der Nennungen aus. Dies zeigt klar, dass die Fondsboutiquen von institutionellen Investoren immer mehr akzeptiert und ausgewählt werden.

Hill: Wie verhält es sich denn mit der Zufriedenheit der Investoren mit „ihren“ Fondsboutiquen? Kann man diese eher unter die Kategorie „es war ein netter Versuch“ einstufen oder wird die Qualität der Fondsboutiquen positiv eingestuft?

Scholz: Auch hier zeigt sich ein klar positiver Trend. Die Zufriedenheitswerte haben sich über die Zeit immer weiter verbessert. Gerade in der jüngst durchgeführten Befragung hat sich dieser Trend nochmals beschleunigt. Insbesondere in den kundenbezogenen Kriterien wie Kundenbetreuung und -beratung oder der proaktiven Ansprache haben die kleineren Asset Manager besser abgeschnitten als die beiden größeren Kategorien. Offensichtlich konnten die kleineren Asset Manager ihre Flexibilität und Individualität in der COVID-Phase sehr gut ausspielen.

Hill: Haben Sie eine Vermutung woran das liegen könnte?

Scholz: Ohne es genau zu wissen, aber eventuell liegt es an der Abwesenheit der Kundenbetreuung durch die Homeoffice Regelung. Bei kleineren Asset Manager waren die Mitarbeitenden oftmals eher im Office als bei den größeren Häusern mit ihren Großraumbüros. Die großen Anbieter haben dafür verstärkt auf Online-Betreuung, z.B. über Webinare, gesetzt. Dies wurde auch in der Anfangszeit positiv seitens der Investoren aufgenommen. Im Laufe der Zeit wurde dies aber zur Routine und der „Reiz“ des Neuen ging verloren. Ich denke, die Investoren haben sich zunehmend nach einem individuellen, persönlichen Gespräch gesehnt.

Hill: Mann könnte also sagen, dass die Fondsboutiquen die Gewinner der COVID-Einschränkungen sind.

Scholz: In Teilen sicherlich. Dennoch war und ist in Teilen immer noch die Situation auch für die Fondsboutiquen schwierig. Die meisten Investoren haben freie Mittel bei Bestandsmanagern allokiert. Neue Kunden zu gewinnen ohne persönliche Meetings ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Aber nach vorne blickend können die kleineren Asset Manager sicherlich von ihrer größeren Kundennähe profitieren.

Hill: Wie sieht es bei anderen Kriterien aus? Haben sich die Fondsboutiquen auch dort verbessert?

Scholz: Ja, das ist so. Z.B. im Bereich ESG-Kompetenz haben sich die kleineren Asset Manager deutlich verbessert. Auch beim Reporting ist die Zufriedenheit der institutionellen Anleger gestiegen. Dies zeigt, dass sich die Fondsboutiquen zunehmend professioneller aufstellen und sich auf die Anforderungen institutioneller Anleger einstellen.

Hill: TELOS agiert auch als Consultant und unterstützt institutionelle Anleger bei der Managerselektion. Wie nehmen Sie hier die Fondsboutiquen wahr?

Scholz: Durch die immer komplexer werdende Asset Allokation der institutionellen Investoren mit immer mehr Anlageklassen und -strategien rücken auch hier spezialisierte Fondsboutiquen stärker in den Fokus. Dies trifft auf spezielle Anlagestile oder Konzepte im liquiden Bereich zu, aber insbesondere auch auf die sog. „Alternativen Anlageklassen“ wie Immobilien, Infrastruktur, Private Equity oder Private Debt zu. Gerade hier kommen spezialisierte Fondsboutiquen verstärkt zum Zuge. Dies zeigt sich übrigens auch bei den Nennungen im Rahmen der Zufriedenheitsbefragung.
Übrigens stoßen auch auf unseren Investorenkonferenzen, wie z.B. der Wiesbadener Alternative Konferenz am 4. November, die Vorträge der teils noch nicht so bekannten Fondsboutiquen auf großes Interesse der Anleger.

Hill: Alles in allem also ein sehr positives Bild für Fondsboutiquen. Herr Scholz, erlauben Sie mir noch eine Frage abseits des beruflichen Alltags. Mit was beschäftigen Sie sich außerhalb der Geschäftswelt?

Scholz: Als Mitglied der Midlife-Crises-Generation verbringe ich den Großteil meiner Freizeit auf dem Rennrad – quasi „alter Mann in engen Nylonklamotten“. Dabei kann ich die Natur genießen und bekomme den Kopf frei. Zum Glück teile ich das Hobby mit meiner Frau, so dass wir häufig gemeinsame Ausfahrten im Taunus und Umgebung machen. Auch im passiven Bereich dominiert das Thema Rennrad bei mir. Zum Beispiel lese ich gerade das Buch „Pellegrina: Eine italienische Radsportwallfahrt“. In dem Buch beschreibt eine Journalistin ihre Eindrücke von einer Pilgerfahrt zu den Wallfahrtsorten des Giro d’Italia. Für Radsport- und Italienfans wirklich zu empfehlen.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Alexander Scholz ist Geschäftsführer und Gesellschafter der TELOS GmbH. Vor seinem Eintritt bei TELOS im Juni 2016 war er stellvertretender Leiter Institutional Sales bei GAM Deutschland. Insgesamt verfügt er über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung aus den Bereichen Asset Management Consulting, Fonds- und Investmentanalyse, Investment Controlling und Reporting, Portfolio Management und Kundenbetreuung bei Asset Management Gesellschaften und Banken.

VERANSTALTUNGSHINWEISWiesbadener Alternative Konferenz
„Mit der Wiesbadener Alternative Konferenz tragen wir dem gestiegenen Interesse institutioneller Investoren an alternativen Assetklassen wie Immobilien, Infrastruktur, Private Debt, Private Equity aber auch den sog. ‚Liquid Alternatives‘ Rechnung und bieten Investoren ein entsprechendes Forum zum Informationsaustausch und zur Informationsbeschaffung.“

VERANSTALTUNG FÜR INSTITUTIONELLE INVESTOREN (4.11.2021 – INFORMATION / AGENDA / ANMELDUNG): Wiesbadener Alternative Konferenz 2021

Quelle: LinkedIn

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HESSEN & MITTELSTAND: „Ownership Approach“, ESG und Nachhaltigkeit in Familienunternehmen (Interview – Florian Riedel, Krebs & Riedel Schleifscheibenfabrik)

„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Wer von erfolgreicher Vermögensanlage von Family Offices und Fondsboutiquen spricht, hat schnell die Worte „Langfristdenke“ und „Nachhaltigkeit“ im Mund. Grund für Markus Hill mit dem Familienunternehmer Florian Riedel, in dritter Generation Mitinhaber der Krebs & Riedel Schleifscheibenfabrik aus Bad Karlshafen im äußersten Norden Hessens, über Nachhaltigkeit und Realwirtschaft zu sprechen.

Hill: Nachhaltigkeit wird in der Finanzbranche derzeit häufig mit „Impact Investing“ gleichgesetzt. Wie sieht das ein Familienunternehmer?

Riedel: Impact Investing kann wichtige Akzente setzen, wird aber unsere Welt allein nicht retten. Das liegt schon in der Tatsache begründet, dass Impact Investing nur einen kleinen Teil der Assets, die CO2 emittieren, adressieren kann. Ein kleiner Ziegeleibetrieb in Indien oder ein Kohlekraftwerk im chinesischen Staatsbesitz kann nicht mit Kapitalmarktinstrumenten erreicht werden. Ich bin der Meinung, dass nur Eigentum zu einem pfleglichen Umgang mit der Umwelt, den Ressourcen, mit allem anregt. „Ownership Approach“ und „Skin in the game“ sind Schlagworte, die einem dabei möglicherweise einfallen. Der studierte Volkswirt, was wir ja beide sind, würde von der „Internalisierung externer Effekte“ sprechen. Am Ende geht es immer um das Gleiche: Handle so, als wäre es Dein Eigentum. Und wenn neben „Skin“ auch noch die eigene Gene im Spiel sind, zum Beispiel in Form der eigenen Nachkommen, wird es wirklich nachhaltig.

Hill: Was ist das Besondere an einem Familienunternehmen?

Riedel: Der Name sagt es eigentlich schon. Es ist der Familien- und Mehrgenerationenansatz. Mehrere Studien belegen, dass Familienunternehmen sehr großzügig in den Ausbau des Geschäfts und in Forschung und Entwicklung investieren, gerade weil der Investitionshorizont nicht nur bis zum Renteneintrittsalter oder bis zum Ende einer Bestellungsperiode eines Vorstands reicht. Der Unternehmer, der sein Unternehmen so aufstellt, dass die folgende Generation es weiterführen kann und das als Kern seiner unternehmerischen Verantwortung begreift, handelt nachhaltig. Darüber hinaus muss er innovativ sein, damit er etwas zum Vererben hat. Bei ihm sind es nicht die Aktienoptionen, die man dem Manager als Anreiz zugesteht, damit er sich nicht wie ein Beamter, sondern wie ein Unternehmer verhält, sondern der Gedanke an die eigenen Kinder.

Hill: Die angesprochenen Studien zeigen auch, dass Familienunternehmen börsennotierte Unternehmen bezüglich der Rendite schlagen. Sind also Familienunternehmen attraktive Investments?

Riedel: Ein Investor sieht in einem Familienunternehmen ein attraktives Übernahmeziel, wird vielleicht noch 5 Jahre mit dem Unternehmer als Minderheitsgesellschafter zusammenarbeiten und dann seinen Exit anstreben. Für das Familienunternehmen bedeutet dieser Exit-Druck aber, dass es kein Familienunternehmen mehr ist, sobald klar ist, dass ein Verkauf in der mittleren Zukunft ansteht. Da zerbricht also genau das, was vorher das Besondere an dem Unternehmen war. Eine aktive Zusammenarbeit zwischen Investor und Familienunternehmer könnte sehr fruchtbar sein, sofern die Anforderungen bezüglich des Wunsches nach Kontrolle seitens der Unternehmerfamilie und der Mehrgenerationenaspekt hinreichend gewahrt bleiben. So könnte der Finanzinvestor wirklich von den Familienunternehmenseigenschaften profitieren und das Familienunternehmen von der finanziellen Stärke des Finanzinvestors. Solche Modelle sind leider viel zu selten.

Hill: Dann werden wir doch mal konkret: was hat ein Finanzinvestor davon, in ein Familienunternehmen einzusteigen und was hat das Familienunternehmen davon? Wie spielen die beiden zusammen?

Riedel: Der Finanzinvestor hat seine – hoffentlich tatsächlich realisierbare – Überrendite gegenüber dem Investment in eine beispielsweise börsennotierte Gesellschaft. Die wird er auch brauchen, allein wegen der Illiquidität seines Investments. Dafür hat er nicht das Problem, sein Investment nach einigen Jahren verkaufen und dann auch noch eine Wiederanlagemöglichkeit suchen zu müssen. Und was das Beste ist: er eröffnet sich ein komplett neues Universum von Anlagemöglichkeiten, welches ihm anderenfalls verschlossen bliebe. Das Familienunternehmen auf der anderen Seite kann Investitionen stemmen, die sonst vielleicht völlig außerhalb des realisierbaren stünden. Beispielsweise die Übernahme eines Wettbewerbers aus den USA oder den Bau einer neuen Fabrik in China. Mit einem Finanzinvestor wird es realisierbar, aber deswegen das Unternehmen zu verkaufen? Da bleibt so manche hervorragende Idee auf der Strecke, weil sich die Zielkoordinaten der beiden nicht in Übereinstimmung bringen lassen. Es braucht also auf beiden Seiten den Willen zur kreativen Gestaltung, zum Dialog. Mit standardisierten Ansätzen wird man diesen Antagonismus nicht lösen können. Das bedeutet natürlich auch, dass der Familienunternehmer bereit sein muss, dem Finanzinvestor durch Informations- und Kontrollrechte eine Mitgestaltungsmöglichkeit einzuräumen. Er sollte mitdenken und mitentscheiden, denn er hat mutmaßlich Kompetenzen, die der Familienunternehmer typischerweise nicht hat.

Hill: Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage nach der Nachhaltigkeit: Sie haben in Ihrem Beispiel vom Bau einer Fabrik in China gesprochen. Wie nachhaltig ist nach Deiner Meinung eine Investition in China, vor dem Hintergrund von Know-how-Abfluss, der Erfahrung von Corona und Umweltaspekten?

Riedel: Es ist nicht so, dass Chinesen weniger vertrauenswürdige Menschen wären, auch wenn immer wieder dieser Eindruck in Europa und den USA vermittelt wird und sich leider auch in vielen Köpfen festgesetzt hat. Schlechte Erfahrungen gibt es viele, aber es gibt weit mehr positive Erfahrungen. Ich kenne einen Fall eines Herstellers von Tiernahrung, der es geschafft hat, sein Know-how zu schützen und ein sehr erfolgreiches Joint-Venture mit einem Chinesischen Unternehmer zu gründen. Ohne ein Fachmann auf dem Gebiet der Tiernahrung zu sein, denke ich immer, dass es doch nicht schwer sein kann, Tiernahrung nachzuahmen. Es gibt also Erfolgsgeschichten.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir mit Ausbruch der Pandemie ohne unsere Chinesische Tochtergesellschaft und deren Lager massive Schwierigkeiten gehabt hätten, unsere Kunden in China zu beliefern. Umgekehrt waren wir in der Lage aus China größere Mengen Mundschutzmasken für unsere Mitarbeiter und die Stadtverwaltung zu besorgen. Das zu einer Zeit, in der Feuerwehrleute in Deutschland von amtlicher Seite eine Bastelanleitung für Masken als einzige Unterstützung erhalten haben.
Ich halte Globalisierung für eine grundsätzlich positive Sache, auch für die Umwelt. Der Austausch von Wissen, zum Beispiel bei der Reduzierung von Industrieabgasen, kann am leichtesten befördert werden, wenn Direktinvestitionen in Anlagen stattfinden und dieses Know-how gleich mit implementiert wird. Es liegt vor allem in der Verantwortung der Staaten, den richtigen Rahmen abzustecken. Das sollte bitte nicht vergessen werden.

Hill: Was lesen Sie zurzeit?

Antwort: ich lese immer mehrere Bücher parallel. Derzeit beschäftigen mich am meisten die Sachbücher “Enlightment Now“, von Stephen Pinker und „Regency Revolution“ von Robert Morrison. Grade habe ich nach vielen Jahren das Buch „The Black Swan“ von Nassim Nicolas Taleb wiedergelesen.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Florian Riedl ist Head of International Business, Sales and Finance bei Krebs & Riedel Schleifscheibenfabrik.

Krebs & Riedel Schleifscheibenfabrik: www.krebs-riedel.de/

Quelle: LinkedIn

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FINANZPLATZ FRANKFURT: ESG, digitale Infrastruktur, Innovation & „Ökosystem Frankfurt“ (Michael Jakobi, contagi Digital Impact Group)

Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen machen es sich bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft nicht leicht. So allgemein akzeptiert die Nachhaltigkeitsziele der UN, so sehr die Worte Ecological – Social – Governance (kurz: ESG) in aller Munde sind, so weit auseinander gehen die Haltungen und Handlungen, wie diese erreicht werden sollen.

Insbesondere in Deutschland ist der Wille immens, die gesteckten Ziele in allen Bereichen und auf die bestmögliche Weise zu erfüllen – technischer Fortschritt soll egalitär, demokratisch und datenschutzkonform sein; die Energiewende die Umwelt schützen, ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden. Zielkonflikte und Grenzen, an die wir so zwangsläufig stoßen, versuchen wir mit viel (technischem) Know-how und noch mehr Kapitaleinsatz zu lösen und zu überwinden.

Im Bereich der Digitalisierung und ihrer dahinterliegenden Infrastruktur wird die Ambivalenz noch deutlicher. Einerseits ist diese ein Schlüsselbaustein für ESG: sei es der Ersatz der Dienstreise durch ein virtuelles Meeting, der Online-Zugang zu Bildungszwecken auf dem Land oder die im Internet frei zugänglichen Informationen zum Handeln der öffentlichen Hand – um nur drei Beispiele zu nennen. Auf der anderen Seite verbraucht Digitalisierung große Mengen an Ressourcen, sei es Strom für Rechenzentren oder Seltene Erden für Batterien und Geräte. Auch setzt sie neue Hürden in sozialer und beruflicher Teilhabe und steht durch die Datensammlung und -analyse, vor allem durch (amerikanische) Großkonzerne, in der Kritik.

AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch
AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch

Die „Lösung“ dieses Spannungsverhältnisses läuft leider oft auf Stillstand hinaus – regulatorische Anforderungen verprellen Investoren, NIMBY (Not in my Backyard) Proteste verhindern oder verzögern kritische Projekte und Prozesse werden „aus Datenschutzgründen“ nicht digitalisiert. Das damit am Ende weder dem Klima noch der Gesellschaft geholfen ist, scheint zweitrangig zu sein.

Gerade in Frankfurt, einer Stadt, die sich von der Banken- zur Daten-Hauptstadt der EU entwickelt (hat), zeigt sich die Herausforderung in der Praxis: so befindet sich die Stadt am Main, trotz fraglos vorhandenem Kapital, Know-how und Infrastruktur, weder auf Smart City Level (Hamburg) noch bei den Start-ups (Berlin/ Rhein-Ruhr/ München) an der bundesdeutschen, geschweige denn europäischen Spitze. Auch mit der Rolle als (weltweit größter) Internetknoten und bedeutender Rechenzentrumsstandort hadert die Stadt – schwierige Energieversorgung, ungenutzte Abwärme, verdrängtes Gewerbe – um nur einige Kritikpunkte zu nennen.

Die neue Regierungskoalition im Stadtparlament ist bestrebt, durch eine Digitalisierungsstrategie auf der einen und regulatorische Anforderungen auf der anderen Seite Abhilfe zu schaffen und nimmt dabei die Betreiber der Rechenzentren in die Pflicht, z.B. beim Thema Abwärme. Hier gibt es mit dem neuen Telehouse Datacenter in der Kleyerstraße auch schon einen Piloten, bei dem in Zusammenarbeit mit der Mainova Rechenzentrums-Abwärme ein Neubaugebiet beheizen soll. Dieses – sehr positive – Beispiel ist jedoch keine Patentlösung, sind die Bedingungen an anderen Standorten doch weit weniger optimal, von der Wirtschaftlichkeit bei der Umrüstung bestehender Infrastrukturen ganz zu schweigen.

Von daher wird sich auch Frankfurt der Herausforderung stellen müssen, ganzheitliche Konzepte in Sachen Digitalisierung und digitaler Infrastruktur zu entwickeln – auf Basis fundierter Daten und unter Einbeziehung nicht nur der Rechenzentren, sondern auch einer Vielzahl anderer Stakeholder vom Start-up bis zum Hyperscaler (AWS, Google, Microsoft & Co). Das sich diese Akteure in Frankfurt und im gesamten Rhein-Main Gebiet auf geografisch engstem und doch international vernetztem Raum befinden, ist dabei eine wichtige Komponente, die menschlich wie technisch Vorteile bringt. Während also Unternehmensserver mit niedriger Latenz Daten austauschen und Großrechner den Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglichen, können menschliche Entscheidungsträger und Spezialisten physisch zusammenkommen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Das die Thematik in den nächsten Jahren an Komplexität und Bedeutung verliert, glaubt niemand. Im Gegenteil, vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen und fortschreitendem Klimawandel, sozialer Ungleichheit und politischen Spannungen, benötigen wir die Digitalisierung mehr denn je – für mehr Effizienz und soziale Teilhabe, schlankere Verwaltung und schnellere Prozesse im Allgemeinen. Der nun endlich in vollem Gange befindliche Glasfaserausbau, zusammen mit 5G und seinen Möglichkeiten, vorhandenen Ansätzen wie IoT, KI, M2M usw. zum Durchbruch zu verhelfen, sind hier wichtige Bausteine, ebenso wie Clouds und Applikationen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Erst wenn man Rechenzentren und die dort laufenden Applikationen als Teil eines komplexen Ökosystems, als Teil des gesellschaftlichen Wandels und der Energiewende betrachtet und deutlich mehr Akteure einbindet, kann das Versprechen einer „ESG – positiven“ Digitalisierung eingelöst werden. Ob in Frankfurt, in Deutschland oder Europa, ergibt sich so die historische Chance, digitalen Wandel menschen- und klimafreundlich, frei und demokratisch zu gestalten.


AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch

Quelle: LinkedIn

ZUSATZINFORMATION / QUELLEN:

Digitalisierung & „Asset-Klasse Rechenzentren“ – Immobilien, REITs und ESG (Gastbeitrag – Michael Jakobi, contagi Digital Impact Group)

Foto: www.istock.com/jotily

FINANZPLATZ FRANKFURT: Wien & Frankfurt – Weltoffenheit, Family Office, Asset Management & Schnitzel (INTERVIEW – Martin Friedrich, Lansdowne Partner Austria GmbH)

„In einer Stadt wie Frankfurt befindet man sich in einer wunderlichen Lage, immer sich kreuzende Fremde deuten nach allen Weltgegenden hin und erwecken Reiselust“ (Johann Wolfgang von Goethe). Wien – Frankfurt – Wien: Markus Hill sprach für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über seine privaten und beruflichen Eindrücke aus 16 Jahren Frankfurt-Aufenthalt. Weltoffenheit, Investmentbanking, Family Office, Fondsmanagement und Schnitzel sind zur einige Stichworte des Gedankenaustausches. (Veranstaltungsmitteilung SCOPE & FUND FORUM INTERNATIONAL – 8.6. & 16.6.2021).

Hill: Herr Friedrich, Sie sind Österreicher und leben in Wien, kennen aber auch Frankfurt sehr gut. Woher kommt das?

Friedrich: Nun, ich habe die meiste Zeit meines Berufslebens in Frankfurt verbracht. Ich bin 2002 nach Deutschland gekommen und habe fast 16 Jahre lang am Finanzplatz Rhein/Main gearbeitet. In dieser Zeit hat sich die Stadt sehr entwickelt. Als meine Frau und ich 2002 hierherzogen, war Deutschland so stark von der internationalen Wirtschaftsflaute betroffen, dass es als der „kranke Mann Europas“ galt. Ich erinnere mich noch daran, dass es anfangs praktisch unmöglich war, am Wochenende etwas zu kaufen, da die meisten Geschäfte samstags gegen Mittag schlossen. Selbst Restaurants waren oftmals am Sonntag geschlossen. Heute ist Frankfurt eine ganz andere Stadt. Es ist wesentlich weltoffener geworden, und wir haben Freunde gefunden, die wirklich aus aller Welt kommen. Leider ist ja im Moment alles zu, aber vor dem Lock-down habe ich gerne am Leben in Frankfurt teilgenommen, und nicht nur die Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung, sondern auch das Sport- und Freizeitangebot sehr geschätzt.

Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH
Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH

Hill: Warum sind Sie ursprünglich nach Frankfurt gekommen? Was hat Sie später zurück in die Heimat gezogen?

Friedrich: Bevor ich nach Frankfurt kam, hatte ich in London gearbeitet, für die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley. Der unmittelbare Anlass für meinen Umzug war rein beruflich bedingt: Damals wurde entschieden, dass meine Beschäftigung, die Betreuung von Fondsmanagern in Deutschland, besser von Frankfurt aus erledigt werden konnte. Ich bin also quasi meiner Arbeitsstelle gefolgt. Die Situation war dem Brexit nicht unähnlich, sie fand nur 20 Jahre früher statt. Nach meiner Tätigkeit bei Morgan Stanley habe ich bei einem Multi Family Office in Bad Homburg, HQ Trust, gearbeitet. Die angenehme Zeit dort zähle ich natürlich auch zu meinen Frankfurter Jahren, zumal sie auch professionell gesehen eine gute Vorbereitung für den Wechsel nach Wien war. Der Anlass war wieder beruflich: Lansdowne Partners Austria bot mir die Möglichkeit, meinen eigenen Fonds auf Basis der von mir entwickelten Anlagestrategie aufzulegen.

Hill: Wo haben Sie sich in Frankfurt am liebsten aufgehalten? Welche sind Ihre schönsten Erinnerungen?

Friedrich: Drei Orte fallen mir spontan ein: zum ersten haben wir natürlich das Angebot an guten Restaurants sehr genossen; an einem schönen Sommerabend saßen wir zum Beispiel gerne auf der Terrasse der Alten Oper. Auch im Restaurant Salzkammer in der Weißadlergasse waren wir oft – es ist nur einen Steinwurf vom Goethe-Haus entfernt und bietet ausgezeichnete österreichische Küche! Am Wochenende sind wir dann häufig auf den Feldberg gewandert; als Österreicher zieht es uns ganz automatisch in die Berge, wie es scheint. Ich erinnere mich, dass es einmal in jedem Winter ein Hundeschlittenrennen rund um den Feldberg gab. Das fand ich sehr schön. Letzlich will ich nicht verschweigen, dass ich ein leidenschaftlicher Golfspieler bin. Und der Frankfurter Golfclub – der 2013 hundert Jahre alt geworden ist – ist wirklich ein Juwel. Dort am 18. Abschlag zu stehen und den Blick auf die Skyline zu genießen, ist für mich immer etwas Besonderes gewesen. 

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.



Quelle: www.fondsboutiquen.de

VERANSTALTUNGSHINWEISE (8.6. & 16.6.2021)

  1. ScopeExplorer Manager Conferences
    „Nach der Rallye der vergangenen 12 Monate liegt der Fokus vieler Investoren auf Aktien. Keine Zweifel: Aktien gehören in jedes Multi Asset Portfolio. Aber welche Assetklassen gehören noch hinein? Und vor allem: Wie viel davon? Multi-Asset Stratege und Portfoliomanager Martin Friedrich erklärt im Gespräch mit André Haertel, warum der Lansdowne Endowment Fund neben Aktien noch in über 15 andere Assetklassen investiert, und wie Rendite- und Risiko-Aspekte dabei bestmöglichst austariert werden.“ (ZITAT: Scope GroupLansdowne Partners – ZUSÄTZLICHE INFORMATION: LINK)
  2. Fund Forum International Virtual
    Alternative markets outlook in choppy waters – Macro updates, demands and megatrends: what can we expect from global and Europe’s alternative markets ahead of 2021? Economic shifts and key trends that could impact the industry and asset allocations. 
    Moderator: Martin Friedrich, Head of Economic and Market Research and Portfolio Manager, Lansdowne Partners, Austria  Randall Kroszner, Deputy Dean for Executive Programs and Norman R. Bobins Professor of Economics, The University of Chicago Booth School of Business 
    LINK: Fund Forum International Virtual – 16th June, CET 14:00 – 14:30)
Quelle: LinkedIn

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FINANZPLATZ FRANKFURT: Digitalisierung & „Asset-Klasse Rechenzentren“ – Immobilien, REITs und ESG (Gastbeitrag – Michael Jakobi, contagi Digital Impact Group)

Nicht erst die Corona Krise hat gezeigt, dass die weltweite Wirtschaft – wie die Gesellschaft als Ganzes, eine leistungsfähige digitale Infrastruktur benötigt, wenn sie ihren Wachstums- und Entwicklungskurs nachhaltig fortsetzen will. Die Krise hat sich jedoch als ein Katalysator herausgestellt, der die Geschwindigkeit des Wandels erhöht und, gerade in Deutschland, das Thema digitale Infrastruktur im Allgemeinen und der Rechenzentren im Besonderen in eine breitere Öffentlichkeit getragen hat. Dabei wird die Ambivalenz des Themas deutlich – während viele deutsche Unternehmen mit der Digitalisierung kämpfen und unsere Glasfaserabdeckung zu den Haushalten (FTTH) nur 12% beträgt, verfügt Deutschland über ein national wie international hervorragendes Glasfasernetz, modernste Rechenzentrumsflächen und mit dem De-Cix Frankfurt, über den nach Datendurchsatz größten Internetknoten der Welt. Hier erreichte der Peak-Traffic im März 2020 9,1 und im November über 10 Tbit/s – jeweils Weltrekord.

AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch

Die Entwicklung Frankfurts und damit Deutschlands zu einem internationalen Hub für digitale Infrastruktur hat historische, vor allem aber geografische / geopolitische Gründe. Die Lage ist, ganz immobilientypisch, auch für Rechenzentren ein entscheidendes Kriterium. Knotenpunkte, an denen Seekabel anlanden, oder sich, wie in Frankfurt, die Glasfaser-Backbones der Welt kreuzen, sind als Austauschplattform prädestiniert, wenn sie auch das wirtschaftliche Ökosystem besitzen. Dazu gehören internationale Unternehmen ebenso wie KMU und eine zahlungskräftige Endkundenbasis, sowie nicht zu vergessen qualifizierte Arbeitnehmer und spezialisierte Dienstleister.  In der Metropolregion Rhein-Main finden sich hier beste Voraussetzungen, als internationaler Bankenstandort mit fast 6 Millionen Einwohnern, von denen 3 Millionen als Arbeitnehmer in einer weit diversifizierten Wirtschaftslandschaft tätig sind. Geografisch entscheidend ist zudem die Lage inmitten Europas, durch die sich die Datenströme über den Atlantik (über England/ London und Niederlande/ Amsterdam) ebenso bündeln lassen wie von Skandinavien bis Südeuropa und zu den Seekabel-Häfen am Mittelmeer, die uns wiederum mit Asien und Afrika verbinden.

So wird erst nachvollziehbar, dass internationale Akteure der Rechenzentrumswelt bereit sind, mit 2000€/m² das zehnfache des Bodenrichtwerts für ein Gewerbegrundstück am Frankfurter Stadtrand zu bezahlen. In Verbindung mit den horrenden Investitionskosten eines Rechenzentrums selbst, die (ohne Kosten des Grundstücks) schnell im dreistelligen Millionenbereich liegen, und den hohen Anforderungen im Be- und Vertrieb, wird hier deutlich, warum die Assetklasse Rechenzentrum, trotz eines massiven, nachhaltigen Wachstums und geradezu fantastischen Renditen, bisher vor allem in den Händen spezialisierter REITS wie Digital Realty und KeppelDC REIT sowie Telekommunikationskonzernen, z.B. NTT und 1&1, liegt. Diese wiederum besitzen oder vermieten an Colocation Provider wie Interxion, Equinix oder auch Maincubes, die ihrerseits Server-Space für Unternehmen, aber auch für Hyperscaler, also Cloud-Provider wie Amazon AWS bereitstellen.

Vor dem Hintergrund einer derartigen Konstellation aus Spezialisten und Global Playern stellt sich die Frage, ob die Eintrittsbarrieren in Sachen Kapital, Marktdurchdringung und Know-How für KMU, Projektentwickler und nicht-institutionelle Investoren nicht bereits jetzt zu hoch sind, um auf den Zug aufzuspringen.

Die großen Cloudanbieter, Microsoft (Azure), Google und Amazon AWS, sichern sich ihre Oligopolstellung in den Ballungsgebieten mit dem Aufbau von Availability Zones und treiben so das Wachstum der Colocation Anbieter in Frankfurt, aber auch im Rhein-Ruhr-Gebiet und den Großräumen Berlin, Hamburg und München. Zusätzlich verstärkt wird der Trend zur Cloud durch die Bemühungen der EU im Rahmen des Gaia-X Programms. Viele Technologien jedoch, die derzeit in den Startlöchern stehen – 5G, autonomes Fahren und IoT seien hier beispielhaft genannt – benötigen ein deutlich dichteres Netz von verschiedenen Datenverarbeitungs- und Speicherungseben oder Layern, kleinen Rechenzentren im Abstand von teils <1km (Edge), regionalen Sub-Hubs (Fog) und internationalen (Cloud) Hubs, ähnlich einem Verteilungsnetzwerk in der Logistik.

Abgesehen von wenigen Metropolregionen ist dieser Bereich aktuell alles andere als flächendeckend aufgestellt und bietet somit ein erhebliches Potential für regionale Akteure – hier sind insbesondere Energieversorger, Projektentwickler und Grundstücks-/ Immobilieneigner sowie KMU allgemein zu nennen. Auch wenn die Investitionskosten selbst in kleineren Rechenzentren beträchtlich sind, ist es möglich, diese mit Blick auf geringere Grundstücksinvestitionen und durch modulare Bauverfahren im Rahmen zu halten – ohne auf neuste, umweltschonende Technik und weitere Skalierungsoptionen verzichten zu müssen.

Nachhaltigkeit bzw. ESG ist ohnehin ein Thema, das bei Rechenzentren in Deutschland eine zentrale Rolle einnimmt, sei es aus dem Aspekt der Verantwortung, gesetzlichen Vorgaben oder schlicht aus wirtschaftlichen Gründen. Deutschland hat einen der höchsten Energiepreise der Welt und Rechenzentren sind, anders als andere energieintensive Unternehmen, nicht von der EEG-Umlage befreit. Zudem kommt der Netzausbau in manchem Ballungsgebiet der Nachfrage nicht hinterher, was insbesondere in Frankfurt eine signifikante Herausforderung darstellt. Gerade dadurch ergeben sich jedoch Chancen in anderen Regionen, in denen die Versorgungslage besser oder wo, wie in Teilen Norddeutschlands, sogar ein Überschuss alternativer Energie vorhanden ist. Nur durch die Einbindung von Rechenzenten in lokale Strukturen – Abwärmenutzung, smarte Energiespeicherung, Ladeinfrastrukturen usw. – können diese einen Beitrag in ESG Sicht liefern, anstatt Teil des Problems zu sein. Diese Verknüpfung jedoch erfordert die Einbindung lokaler und regionaler Akteure – und bietet diesen somit die Chance, an der Wertschöpfungskette Rechenzentrum zu partizipieren.

Somit lässt sich konstatieren, dass Rechenzentren nicht nur als Grundlage der Digitalisierung für die Gesellschaft, sondern auch als Assetklasse hochinteressant für progressiv eingestellte Unternehmen und Investoren sein können, auch in kleinerem Maßstab – die richtige Herangehensweise auf Markt- und Technikebene vorausgesetzt. Mehr noch, etliche Regionen in Deutschland, die für internationale Anbieter noch weiße Flecken sind, besitzen die Grundlage aus innovativen Unternehmen und qualifizierten Mitarbeitern, die einen zeitgemäßen Anschluss an die Welt ebenso nötig wie möglich macht und regionalen Akteuren aufgrund ihrer Netzwerke und Erfahrung vor Ort die Chance bietet, digitale Infrastrukturen auf Augenhöhe mit internationalen Playern zu gestalten.


AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch

Quelle: LinkedIn

„Man findet hier bei der Due Diligence oft verschiedene Sichtweisen bei Family Offices, Stiftungen und klassischen institutionellen Investoren“

Anfang Dezember findet in Frankfurt am Main die Konferenz „Germany Institutional Forum“ statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort ein Panel moderieren. Im Rahmen des Themas Opportunistic Alternative Investments werden Themen wie Investments in Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe und „Diverses“ besprochen. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über das Panel, weitere Konferenzinhalte, über Frankfurt am Main und über die Moderation des MH-Fokus-Roundtable „Fondsboutiquen, Family Offices und Absolute Return“, die kurz vorher in Frankfurt am 27. November stattfindet. Auf dieser Veranstaltung wird das Thema „Family Offices und Managerselektion“ eng in Verbindung mit der Thematik Liquid Alternatives diskutiert werden.

IPE Institutional Investment: Welche Themenfelder werden auf der Konferenz „Germany Institutional Forum“ angesprochen?

Hill: Die Konferenz findet jährlich statt und richtet sich an institutionelle Investoren. Dort werden eine Vielzahl von Themen in Vorträgen und Panels behandelt: Wandelanleihen-Markt, Makro-Ausblick, Asset Allocation, Factor Investing, Real Assets (Real Estate, Energie, Infrastruktur) und Global Fixed Income. Ferner werden Themen wie „Opportunistic Alternative Investments“, Investments in Emerging Markets und die Integration von ESG-Kriterien bei dem Investmentprozess für Institutionelle dort diskutiert. Meine Erfahrung auf meinem Panel im letzten Jahr zum Thema „Passives contra Aktives Management, die Auflage einer alten Debatte““ ist, dass dort sehr kontrovers diskutiert werden kann.

IPE Institutional Investment: Welche Punkte werden konkret bei Ihrem Panel aufgegriffen und diskutiert?

Hill: Wie auch im Vorjahr möchte ich inhaltlich meiner Diskussion und den Interessen meiner Panelteilnehmer nicht vorgreifen. Das Thema „Opportustic Alternative Investments“ wird im Zentrum der Diskussion stehen. Teilnehmen werden Trutz Rendtorff, Chief Financial Officer der Karg Stiftung, Marcus Storr, Head of Hedge Funds von der FERI Trust GmbH und Tara Moor, Managing Director bei Guggenheim Partners. Meine Erfahrung aus anderen Zusammenhängen ist, dass das Thema viele Ansatzpunkte zur Diskussion bietet. Dr. Thomas Rüschen von Deutsche Oppenheim Family Office AG habe ich im Oktober in München auf dem Private Wealth Forum der Markets Group als Moderator erlebt, er hatte das Thema stärker mit dem Fokus auf semi-institutionelle Anleger und HNWIs diskutiert. Bei unserem Panel in Frankfurt steht die Frage im Vordergrund, mit welchen Alternative Investments noch, risikoadjustiert betrachtet, attraktive Renditen für institutionelle Investoren erwirtschaften lassen: Welche Rolle spielt Private Equity in einem diversifizierten Portfolio? Welche Alternativen gibt es im Bereich Hedgefonds und Rohstoffe? Gibt es Anlagealternativen, die vielleicht oft nur mit erhöhtem Due Diligence-Aufwand und einem speziellem Know-how-Netzwerk zugänglich sind? Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ist das Spannungsfeld zwischen liquiden und nicht-liquiden Alternative Investments vielleicht auch eine zusätzliche Betrachtung wert. Auch die Rolle von Produktverpackungen könnte ein Thema sein. Real Assets – Direktinvestment, AIFs, Listed Equity, auch diese Themen könnten zusätzlich interessant sein. Man findet hier bei der Due Diligence oft verschiedene Sichtweisen bei Family Offices, Stiftungen und klassischen institutionellen Investoren.

IPE Institutional Investment: Haben Sie eine bestimmte Meinung zum Themenfeld des Panels?

Hill: Nein, die Panelteilnehmer haben Ihren Wissensbereich. Ich kann da nur Anregungen geben. Was ich immer wieder wahr nehme ist, dass heutzutage der Bereich der liquiden und nicht-liquiden Produkten, auch der Bereich Direktinvestments, wesentlich „ganzheitlicher“ auf der Produktauswahlseite bei Institutionellen und Semi-Institutionellen betrachtet wird. Man sieht dies zum Beispiel daran, dass ohnehin der Bereich Beteiligungen – insbesondere Venture Capital und Private Equity – zum Beispiel auch in Kombination mit der Auswahl von Direktinvestments im Bereich Real Assets (Immobilien etc.) zu finden ist, beziehungsweise, dass die Fachbereiche bei den Investoren auch innerhalb der Organisation im intensiven fachlichen Gedankenaustausch stehen. Ein Indikator hierfür könnte auch sein, dass diese Themen und die Fachexperten hier oft auch auf Fachkonferenzen nicht mehr strikt voneinander getrennt werden, man sozusagen etwas stärker „interdisziplinär“ zu diskutieren bereit ist. Family Offices und Stiftungen, aber auch Versorgungswerke und Consultants, stellen hier einen besonderen Bereich dar, in „weicher“ Abgrenzung zu Versicherungen oder Pensionskassen. Vielleicht ergibt sich dieser Eindruck von dieser Seite auch dadurch, dass ich seit 2015 jeweils zwei Mal pro Jahr kleine Veranstaltungen mit Prof. Dr. Carlos Jarillo moderierend begleite. Als Autor des Buches „Strategische Logik – Die Quellen der langfristigen Unternehmensrentabilität“ und Manager eines Value-Fonds ist eines der Themen vor semi-institutionellen Investoren häufig gewesen: Value Investing – Unterschiede, Vor- und Nachteile von liquiden Fondsmanagementansätzen (klassischer, liquidere Publikumsfonds) versus nicht-liquiden Produktlösungen (Private Equity). Beim letzten Termin in München wurden interessanterweise, in Verbindung mit meinem Panelthema auf dem German Institutional Forum, zusätzlich der Zusammenhang von Value Investing, Nachhaltigkeit und die Auswahlkriterien von Rohstoffinvestments diskutiert.

IPE Institutional Investment: Sie haben im Vorfeld des German Institutional Forum für den 27. November noch eine eigene Veranstaltung zum Thema „Fondsboutiquen, Family Offices und Absolute Return“ in Frankfurt organisiert. Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Veranstaltung?

Hill: Dieser MH-Fokus-Roundtable ist eine Investoren-Veranstaltung in sehr kleinem Rahmen, die in den Räumlichkeiten von MM. Warburg & Co. in Frankfurt stattfinden wird. Reiner Konrad von dem Multi Family Office wird einen Vortrag zum Thema „Family Offices, Fondsboutiquen & Managerselektion“ halten. Dr. Björn Borchers von Warburg Invest wird zu dem Thema „Liquid Alternatives – Volatilität als alternative Renditequelle“ referieren, Manfred Gridl von Gridl Asset Management wird zum Thema „Unsere Antwort auf die EZB-Zinspolitik“ vortragen. (Siehe auch beigefügtes Foto). Ich werde ein Kurzintro geben und die Veranstaltung moderieren. Es soll ein Frühstücks-Gedankenaustausch in kleiner Runde werden.

IPE Institutional Investment: Warum haben Sie diesen Themenschwerpunkt gewählt?

Hill: Seit 2013 habe ich immer Paneldiskussion mit Fondsselektoren zum Thema Due Diligence von Fonds (liquide und nicht-liquide) begleiten dürfen. Den Bereich Fondsselektion kennen ich auch aus meiner eigenen Tätigkeit, wie auch die Unterstützung von Fondsboutiquen in speziellen Themen. Seit drei Jahren, auch in 2018 – neben FundForum International auch auf der funds excellence in Frankfurt – habe ich diese Themen noch stärker ausschließlich mit Family Offices diskutieren können. Die Idee ist sozusagen aus vielen fachlichen Gesprächen mit Produktauswahl-Verantwortlichen auf Family-Office-Seite entstanden – in Einzelgesprächen bei Projekten (Managerselektion und Fondskonzept-Checks bei Fondsboutiquen) und im Zusammenhang mit Moderations-, Vortrags- und Artikelthemen, die ich bearbeitet habe. Interessant ist, dass der Themenkreis Fondsboutiquen nochmals ein spezielles Feld darstellt. Hier sind auch Bereiche wie Existenzgründung, Lebenszyklus, Seed Money neben Track Record, Fondsgröße und Investmentprozess interessante Diskussionsfelder. Noch entscheidender erscheinen hier Faktoren wie Managerpersönlichkeit, Spezialisierung, Skin-in-the-Game, Unabhängigkeit und nicht zuletzt die Langfristdenke auf Unternehmerseite. Nicht zu vergessen: Diese Unabhängigen tuen, was sie lieben!

IPE Institutional Investment: Welches Themenfeld schauen Sie sich derzeit genauer an?

Hill: Den Bereich Opportunistic Alternative Investments kann man unterschiedlich interpretieren, vielleicht interpretiere ich ihn auch nur auf eine eigene Weise. Ein Ansatz wäre es, sich die Dinge anzusehen, die oft nicht grundsätzlich vertrieben werden müssen. Hierzu zählen viele Anbieter aus dem Mittelstand, „Boutiquen“, mit Produkten und Dienstleistungen, die durchaus „gebraucht“ werden, auf die man aber häufig nicht oder nur schwer stößt. Zum einen gibt es diese Kategorie, weil die Anbieter sich selber nicht aggressiv vermarkten beziehungsweise die sich selber nicht in dieser Form offensiv „anpreisen“ wollen, zum anderen oft auch deshalb, weil dieser Ansatz der Vermarktung sich für diese Anbieter auch aus Reputationsgründen weniger empfiehlt. Hier lernt man immer wieder Adressen kennen, die exzellente Qualität bieten. Die Performance stimmt, der fachliche Background stimmt, man kommt aus der Zielgruppe, der man diese Produkte zur Verfügung stellt, man ist selber in den eigenen Produkten investiert etc. – ein Markt, den ich völlig getrennt sehe vom eher „Marktschrei-geprägten“ klassischen Investmentproduktmarkt. Völlig wertfrei ausgedrückt, die Ausgangslagen bei beiden Produktkategorien sind einfach unterschiedlich: Der eine hat etwas, dass gebraucht wird, aber keiner weiß davon. Der andere hat etwas, was vielleicht nicht unbedingt gebraucht wird oder aber ein enormer Überschuss von vergleichbaren Mitwerbern besteht – zwangsweise ist hier die vertriebliche Vorgehensweise unterschiedlich. Interessant sind hier viele unternehmerisch aufgesetzte AIF-Strukturen in vielen Gebieten – Real Assets in verschiedenster, insbesondere in Nischenfeldern, als Beispiel. Im Family Office-Bereich findet man solche Dinge häufig, oft kombiniert mit dem Unwillen, die eigenen Produkte, von denen man mit Skin-in-the-Game überzeugt ist, netterweise auch Dritten anzubieten. Hier wäre es oft aus Gemeinwohlgründen fast eine hilfreiche Maxime angebracht: „Tue Gutes und sprich darüber!“.

IPE Institutional Investment: Vielen Dank für das Gespräch.



*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com

Quelle: www.institutional-investment.de
Foto: www.pixabay.de

“Frankfurt can build on many strengths” (Interview – Thomas Richter)

Frankfurt is the central location for the professional exchange of ideas of the fund industry in Germany. Formats such as the BVI Asset Management Conference on October 1 will again offer the opportunity to find out about current developments in the industry. Markus Hill spoke on behalf of FONDSBOUTIQUEN.DE with Thomas Richter, Chief Executive of the German fund association BVI, about conference content, current topics, and the special “charm” of the city Frankfurt as a venue.

Hill: Mr. Richter, the BVI Asset Management Conference will again be held in Frankfurt on October 1. What makes this conference different from other events?

Richter: The BVI Asset Management Conference has developed into the industry meeting of the year. It provides an overview of current developments in the capital market and of the regulatory and strategic challenges facing the industry. It is not a trade fair and as a non-commercial platform, it regularly convinces with its programme and speakers. This year, for example, ECB Chief Economist Peter Praet, BaFin President Felix Hufeld, Hessian Economics Minister Tarek Al-Wazir, and EU Member of Parliament Burkhard Balz are among the participants. We are expecting 500 participants again.

Hill: Frankfurt is an attractive location for the exchange of ideas in the fund industry. What do you think makes the Main metropolis so attractive for many colleagues in the industry?

Richter: Frankfurt can build on many strengths. In recent years, the city has developed into the home of national and international financial organizations and supervisory authorities. Whether ECB, BaFin, Bundesbank, or the EU insurance supervisory authority EIOPA – Frankfurt plays a decisive role in Europe concerning monetary policy and financial market regulation. Nowhere else in Germany are there more companies from the financial sector than in Frankfurt. In 2014, around 200 banks were based here, plus 34 representative offices of foreign institutions – not to mention Deutsche Börse as one of the world’s leading exchange and settlement operators. The investment companies are also strong here. More than half of the BVI members are based in Frankfurt. Over 70 percent of the 2.6 trillion euros that the fund industry manages for customers in Germany are managed from here. In contrast to Luxembourg, where funds are launched, Frankfurt is the location for product development, fund management, and sales.

Hill: What topics are you currently working on intensively?

Richter: The investment tax reform, Solvency II and MiFID II are the current topics. The latter regulates, among other things, commission consulting. The debate on systemic relevance is also a constant issue. Indeed, FSB and IOSCO have now realized that the business of asset managers is more relevant than their size or that of their funds. But the issue will remain on the regulatory and political agenda.

Hill: Thank you very much for the interview.


Source: www.institutional-investment.de

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