„Man hört nur die Fragen, auf die man vorbereitet ist“ (Goethe).
Bei meinem Vortrag im Rahmen des Fundplat Summit im Hotel Bellavista kam die Diskussion relativ schnell auf einen bekannten Punkt: Viele Fondsboutiquen verfügen über ein gutes Produkt, erklären aber nicht klar genug, welches konkrete Problem sie für einen Investor lösen.
Vielleicht bin ich an dieser Stelle befangen. Mein Eindruck aus vielen Gesprächen: Zahlreiche Fondsboutiquen haben nicht in erster Linie ein Vertriebsproblem. Sie haben ein Positionierungsproblem, das sie für ein Vertriebsproblem halten.
Was im Portfoliomanagement fachlich überzeugend klingt, beantwortet noch nicht automatisch die Fragen eines Fondsselektors. Und wer seine Strategie intern hervorragend versteht, kann sie deshalb noch lange nicht aus Sicht des Investors erklären. Klingt selbstverständlich. Ist es in der Praxis aber nicht.
Dieser Gedanke verbindet für mich drei aktuelle Aktivitäten: das Video mit Mario Almer und Florian Wegmann von Daneo Partners über Private Debt, meinen Vortrag bei Fundplat zu Fondsboutiquen und Vertrieb sowie die bevorstehende Präsentation des Liechtensteinischen Anlagefondsverbands am 10. November in Frankfurt. Auf den ersten Blick drei unterschiedliche Themen. Im Kern geht es immer um dieselbe Frage: Was benötigt eine spezialisierte Fondsboutique außer einem guten Produkt?
Private Debt: Manager und Selektor – zwei Perspektiven
Im Video „Präferenzen von institutionellen Investoren bei Immobilien und Alternativen Investments„
wurde deutlich, wie unterschiedlich Portfolio Manager und Fondsselektoren auf eine Private-Debt-Strategie und im Allgemeinen auf Investments im Bereich Alternative Investments schauen.
Der Manager beschäftigt sich mit Geschäftsmodell, Verschuldung, Cashflows, Covenants, Sicherheiten und möglichen Exit-Szenarien. Der Selektor muss zusätzlich beurteilen, ob Team, Organisation und Investmentprozess belastbar sind. Besonders interessant wird es, wenn eine Finanzierung nicht wie vorgesehen läuft. Wie früh erkennt der Manager Probleme? Wie konsequent reagiert er? Und wie offen spricht er mit seinen Investoren?
Private Debt ist kein Randthema mehr. Versicherungen, Versorgungseinrichtungen und Family Offices beschäftigen sich intensiv mit der Anlageklasse. Gleichzeitig umfasst der Begriff sehr unterschiedliche Ansätze. US Direct Lending, europäische Mittelstandsfinanzierung und spezialisierte Opportunitäten mögen auf der Präsentationsfolie ähnlich aussehen – strukturell können sie weit auseinanderliegen.
Investoren benötigen deshalb nicht noch mehr Produktgeschichten. Sie möchten verstehen, wo die Rendite entsteht, welche Risiken dafür übernommen werden und wie der Manager mit Problemen umgeht.
Etwas zugespitzt: Eine Fondsboutique sollte nicht nur überzeugend erklären können, warum ihre Strategie erfolgreich sein kann. Sie sollte ebenso offen erklären können, wo sie scheitern könnte.

Fundplat: Gute Fonds brauchen Übersetzungsarbeit
Beim Vortrag „So haben Fondsboutiquen große Chancen im Markt“ bei Fundplat-Event standen Spezialisierung, Positionierung und Investorenzugang im Mittelpunkt.
Das bloße „Kleinsein“ ist noch kein Wettbewerbsvorteil. Kurze Entscheidungswege, persönliche Verantwortung und eine klar erkennbare Investment-DNA können Vorteile sein. Entscheidend ist, ob diese Stärken für den Investor relevant und überprüfbar sind.
Manche Fondsboutiquen verwenden viel Zeit darauf, ihre Einzigartigkeit zu betonen. Weniger Zeit verwenden sie auf die Frage, welche Funktion ihr Fonds im Portfolio des Investors erfüllen soll. Welches konkrete Problem wird gelöst? Für wen eignet sich die Strategie – und für wen ausdrücklich nicht?
Natürlich kann man einwenden, dass am Ende vor allem Performance zählt. Stimmt. Aber nur, wenn ein Fonds zuvor auf die Shortlist gelangt und der Investor bereit ist, sich näher mit dem Manager zu beschäftigen.
Professionelle Investoren möchten nicht permanent „gepitcht“ werden. Sie schätzen relevante Informationen, nachvollziehbare Einordnungen und Gesprächspartner, die auch einmal sagen können: Für diesen Investor oder für diese Marktsituation passt unser Fonds nicht.
Das eine tun, das andere nicht lassen: LinkedIn, Interviews, Videos und Fachbeiträge können Sichtbarkeit aufbauen. Sie ersetzen aber nicht das persönliche Gespräch. Am Schluss bleibt Asset Management ein Vertrauensgeschäft – bei inhabergeführten Fondsboutiquen vielleicht noch stärker als bei großen Häusern.
Liechtenstein: Welches Domizil passt zu welcher Idee?
Am 10. November 2026 findet die LAFV-Präsentation in Frankfurt statt. Diskutiert werden Family Offices, Manager Selection und die Möglichkeiten Liechtensteins für White-Label-Fonds.
Klaus Deng von Brehmer & CIE. Family Office bringt die Perspektive von Unternehmerfamilien und Family Offices ein. David Gamper stellt die Besonderheiten des Fondsplatzes Liechtenstein vor. Bei der anschließenden Paneldiskussion kommen zusätzlich Aufsicht, Fondsinitiator und Fondsverband zu Wort. Ich freue mich auf die Moderation und den Gedankenaustausch im „Dorf mit Hochhäusern“.
Natürlich macht auch ein attraktives Fondsdomizil aus einer schwachen Investmentidee keinen guten Fonds. Umgekehrt kann eine ungeeignete Struktur einer überzeugenden Strategie unnötig Steine in den Weg legen.
Kosten und Umsetzungsgeschwindigkeit spielen eine Rolle. In Gesprächen mit Fondsinitiatoren fällt mir jedoch auf, dass ein anderer Punkt häufig unterschätzt wird: Erreiche ich dort Menschen, die mein Vorhaben verstehen, Verantwortung übernehmen und im laufenden Prozess ansprechbar bleiben?
Die Frage lautet deshalb nicht: Welches ist das beste Fondsdomizil? Interessanter ist: Welches Domizil passt zur Strategie, zu den Zielinvestoren und zur geplanten Entwicklung? Deutschland, Luxemburg und Liechtenstein verfügen über unterschiedliche Stärken. Pauschale Antworten helfen wenig.

Input, Gegenpositionen und Anregungen zu Fondsboutiquen, Private Debt, Manager Selection und Fondsdomizilen sind willkommen:
PS: Die Gruppe FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN bietet immer wieder Gelegenheit für den Gedankenaustausch im Dorf mit Hochhäusern.
Wer sollte mit wem sprechen?
Daneo Partners steht in diesem Zusammenhang für Investment- und Selektionskompetenz. Fundplat steht für Positionierung, Kommunikation und Investorenzugang. Der LAFV bringt die Perspektive von Fondsdomizil, Regulierung und Infrastruktur ein.
In der Praxis werden diese Bereiche noch zu häufig getrennt diskutiert. Portfolio Manager sprechen über Investments, Vertriebsleute über Marktzugang und Service-Provider über Strukturen. Der Investor muss die einzelnen Ebenen anschließend selbst zusammensetzen.
Vielleicht liegt genau hier eine Aufgabe für das Ökosystem aus Fondsboutiquen, Investoren, Family Offices, Verbänden, Plattformen und unabhängigen Kuratoren: nicht noch mehr isolierte Angebote zu produzieren, sondern die relevanten Akteure frühzeitig an einen Tisch zu bringen.
Oder, wie an dieser Stelle häufiger gefragt wird: Wer sollte mit wem sprechen?
Dialog & Information:
FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL
FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE
FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL
FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“)
25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“
(Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital)
26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“
Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“
(Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com)
17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026”
(Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH)
Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS
Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“
(Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025)
16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog
(Medienpartnerschaft)
12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“
(Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ)
17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT
(Vortrag – Markus Hill)
24.9.2026, Luzern: „Swiss Digital Finance Conference 2026“ – Markus Hill (PARTNER) spricht mit Jan Carlos Janke, Dozent im Themenfeld Digital Business & Innovation der Hochschule Luzern – Informatik
10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“
(Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge)
Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen:
info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179
Photo: Pixabay


















