Finanzplatz Frankfurt & Finanzplatz Schweiz: „US Direct Lending und europäisches Private Debt laufen zwar unter dem gleichen Begriff – sind aber strukturell zwei verschiedene Märkte“ (Interview –  Mario Almer & Florian Wegmann, DANEO Partners AG)

Private Debt ist in der institutionellen Kapitalanlage längst kein Randthema mehr. Gerade im aktuellen Marktumfeld wird jedoch genauer hingeschaut: Welche Segmente bieten noch attraktive risikoadjustierte Renditen? Wo entstehen Spätzyklus-Signale? Und wie unterscheiden sich US Direct Lending und europäische Corporate-Credit-Strategien in Struktur, Wettbewerb, Covenants und Nähe zum Kreditnehmer? Markus Hill sprach für FINANZPLATZ FRANKFURT mit Mario Almer und Florian Wegmann, DANEO Partners AG, über die zunehmende Differenzierung innerhalb der Anlageklasse, über Chancen im europäischen und DACH-fokussierten Mittelstand sowie über die Fragen, die institutionelle Investoren in Deutschland und der Schweiz derzeit besonders beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Marketing-Schlagworte, sondern Kreditqualität, Selektion, Besicherung, Monitoring und die Frage, wo Private Debt im Portfolio langfristig sinnvoll eingesetzt werden kann.

Hill: Gegenwärtig wird in der Fachpresse häufig das Thema „US Direct Lending versus Private Debt in Europa“ kritisch diskutiert. Was gibt es hier zu beachten, was sind die wesentlichen Unterschiede bei dieser Betrachtung aus Ihrer Perspektive?
Wegmann: US Direct Lending und europäisches Private Debt laufen zwar unter dem gleichen Begriff – sind aber strukturell zwei verschiedene Märkte. Das wird von vielen Investoren aktuell erst richtig wahrgenommen. Der US-Markt ist tiefer, reifer und standardisierter. Genau das ist heute aber auch sein Problem: Der Wettbewerb ist massiv gestiegen, Spreads haben sich komprimiert, Covenants wurden aufgeweicht und Leverage-Niveaus sind gestiegen. Ein Großteil des Kapitals fließt in große, sponsor-getriebene Transaktionen (also von Private-Equity-Fonds gehaltene Firmen) mit aggressiven EBITDA-Adjustments und zunehmenden Payment-in-Kind-Strukturen – Mechanismen, die wirtschaftliche Schwäche beim Kreditnehmer verschleiern können. Bereinigt man die Ausfallraten um diese Instrumente, liegt die sogenannte ‘Shadow Default Rate’ im US-Markt mittlerweile bei rund 5–6% – deutlich höher als die offiziell kommunizierten Zahlen und ein klassisches Zeichen später Kreditzyklen.
Europa ist fragmentierter, weniger effizient – und genau deshalb aus unserer Sicht heute attraktiver. Banken dominieren noch immer einen Großteil der Unternehmensfinanzierung, ziehen sich aber regulierungsbedingt zunehmend zurück – Basel IV beschleunigt diesen Trend. In der Schweiz kommt ein weiterer struktureller Faktor hinzu: Mit dem Wegfall der Credit Suisse ist ein bedeutender Kreditgeber im mittleren Marktsegment verschwunden. Das spüren Unternehmen und Intermediäre im Markt direkt und schafft Raum für spezialisierte Private-Credit-Anbieter, insbesondere im Lower Mid Market Bereich. Europäische Transaktionen weisen typischerweise konservativere Leverage-Niveaus, stärkere Covenants und attraktivere risikoadjustierte Spreads auf – und für Euro-Investoren entfällt das Währungsabsicherungsproblem, das einen vermeintlichen US-Renditevorteil häufig neutralisiert. Genau hier finden wir Situationen, die wir direkt mit den Eigentümern und Unternehmern aushandeln und maßgeschneidert strukturieren können – meist erstrangig besichert, mit starken Covenants und attraktivem Pricing, abseits des Gedränges im US-dominierten Direct-Lending-Markt.
Almer: Was ich in Gesprächen mit institutionellen Investoren ergänzen würde: Auch in Europa muss man differenzieren. Große (Private-Equity-)Sponsor-getriebene Deals im Upper Mid Market zeigen nach unserer Einschätzung zunehmend dieselben Tendenzen wie in den USA. Entscheidend sind Selektion und der Fokus auf das richtige Segment. Wir bei Daneo Partners sind seit 2018 ausschließlich im europäischen, DACH-fokussierten Mittelstand aktiv – im Finanzierungssegment zwischen 10-75 Mio. Euro, wo große angelsächsische Plattformen nicht effizient skalieren können und lokale Banken zu klein oder zu reguliert sind.

Florian Wegmann, DANEO Partners AG

Hill: Welche Rolle sollte Private Debt bei der Allokation generell bei institutionellen Investoren einnehmen?
Almer: Private Debt hat sich auch in Europa von einer Nischenstrategie zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Insbesondere in Deutschland wird Private Debt mittlerweile bei vielen institutionellen Investoren als Kernbaustein in einem gut diversifizierten Portfolio betrachtet. Senior besicherte Direktkredite kombinieren dabei geringe Volatilität mit Renditen, die mit eigenkapitalähnlichen Erträgen konkurrieren können. Für Pensionskassen und Vorsorgewerke ist zudem entscheidend, was Public Credit strukturell nicht leisten kann: direkte Vertragsbeziehung zum Kreditnehmer, aktives Monitoring und die Möglichkeit, frühzeitig zu intervenieren und Einfluss zu nehmen, wenn sich eine Situation verändert. Dies bietet eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Public-Credit-Allokationen. Die Allokation sollte strategisch erfolgen – mit klarem Fokus auf Qualität des Managers und der Strukturen. Wir beobachten zudem ein steigendes Interesse europäischer institutioneller Investoren an europäischen Managern, mit dem Ziel, Exposure aus dem US-Markt in die hiesigen Märkte umzuschichten. Das bestätigt uns in der Überzeugung, dass wir mit unserer Strategie richtig aufgestellt sind.

Hill: Als Schweizer Fondsboutique stehen Sie im Dialog mit institutionellen Investoren in der gesamten DACH-Region. Welche Themen stehen hier im Vordergrund?
Almer: Die Gespräche mit institutionellen Investoren drehen sich momentan stark um Risiken und weniger um Rendite. Drei Themen dominieren klar. Dominant ist aktuell die kritische Berichterstattung rund um Private Debt in den USA: Investoren haben selber substantiellen USA-Exposure oder lesen die Presse, nehmen die Warnsignale wahr und fragen gezielt nach, wie wir uns von diesen Entwicklungen abgrenzen – Stichworte Covenant-lite, hohe Leverage, Payment-in-Kind.
Zweitens das makroökonomische und geopolitische Umfeld: Wie resilient ist das Portfolio bei einer weiteren konjunkturellen Eintrübung? Was passiert bei einem Workout? Wie schnell kann man reagieren, und welchen Schutz bieten die Strukturen?
Drittens das Thema Bewertung und Leverage: Viele Investoren machen sich Sorgen um Exposure in stark überbezahlten, hochverschuldeten Unternehmen – oft in großen Sponsor-Deals (Thema US Sponsored SaaS Firmen). Die Frage, ob und wie man dort investiert ist, und wie man das Thema sieht, wird zunehmend kritisch beurteilt.

Mario Almer, DANEO Partners AG


Wegmann: Speziell bei deutschen Investoren kommt ein weiteres Thema hinzu: Viele haben in den vergangenen Jahren unter dem Label „Private Credit“ insbesondere in immobilienbesicherte Finanzierungen – Mezzanine, Whole Loans – in Deutschland investiert und dabei schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Das hat das Vertrauen in die Anlageklasse teilweise belastet und führt zu berechtigten Fragen rund um Abgrenzung und Strukturqualität. Wir erklären dann gerne unsere Corporate Credit Strategie: mittelständische Unternehmen in der DACH-Region, erstrangig besichert, ohne exzessiven Leverage und mit direktem Zugang zum Management.

Hill: Sie vertiefen aktuell den Dialog mit Investoren in Deutschland. Gibt es hier Unterschiede bei der Betrachtung von Private Debt, Finanzplatz Deutschland versus Finanzplatz Schweiz?
Almer: Ja, durchaus. In Deutschland ist die strategische Allokation institutioneller Investoren in Private Credit bereits deutlich weiter fortgeschritten, als in der Schweiz. Deutsche Pensionskassen und Versorgungswerke haben die Anlageklasse früher und breiter in ihre Portfolios integriert. Laut dem aktuellen Investor Survey des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) liegt die durchschnittliche strategische Allokation in Private Debt bereits bei 3,3%. In der Schweiz ist die Durchdringung noch geringer – das Thema gewann aber die letzten Jahre klar an Dynamik. Inhaltlich unterscheiden sich die Fragen kaum: Beide Märkte interessieren sich für Sicherheit, Transparenz und Track Record. Auffällig ist zudem, dass Pensionskassen – sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz – zunehmend Interesse zeigen, mittelständische Unternehmen im heimischen Markt direkt zu unterstützen. So wurde in der Schweiz per 1. Januar 2022 die Anlagerichtlinien für Vorsorgeeinrichtungen erweitert. Seither dürfen diese „nichtkotierte schweizerische Anlagen“ als eigene strategische Anlageklasse führen. Zulässig ist die Kapitalvergabe gegenüber Schuldnern (Private Debt) und im Sinne von Beteiligungen (Private Equity).

Markus Hill, Finanzplatz Frankfurt am Main

Hill: Wo sehen Sie gegenwärtig die größten Chancen und Herausforderungen im Private Debt-Markt?
Wegmann: Wir sehen derzeit besonders attraktive Chancen im europäischen Lower Mid Market Bereich, einem strukturell mit Fremdkapital unterversorgten Segment. Während sich Banken zunehmend zurückziehen, können große internationale Plattformen und Manager in diesem Bereich häufig nicht effizient skalieren. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren ein großer Teil des Kapitals in großvolumige, sponsorgetriebene Transaktionen geflossen. Dies hat zu intensivem Wettbewerb, steigenden Leverage-Niveaus und einer Erosion der Kreditstandards (und Margen) geführt – insbesondere im US-Markt. Europa wird aktuell nach unserer Beobachtung von institutionellen Investoren klar bevorzugt: Das Fundraising für europäische Private-Credit-Fonds erreichte 2025 einen Rekordwert und der europäische Mid-Market gilt als „Lender’s Market” mit besseren Strukturen und stärkeren Covenants. Allerdings beobachten wir auch hier einen zunehmenden Deployment-Druck: Große Fonds mit erheblichem „Dry Powder” drängen in kleinere Segmente, was den Wettbewerb auch im „Core“ Mid-Market erhöht und die Selektivität beim Underwriting umso wichtiger macht. Vor diesem Hintergrund sehen wir eine klare Opportunität in weniger kompetitiven Transaktionen mit solider Struktur, attraktivem Pricing und stärkerem Einfluss auf die Kreditgestaltung.
Almer: Als größte Herausforderung sehen wir die zunehmende Verunsicherung – geopolitisch, aber auch innerhalb der Anlageklasse selbst. Sollten sich die Spannungen im US-dominierten Segment weiter zuspitzen, könnten Verwerfungen entstehen, die das Vertrauen der Investoren in Private Debt generell belasten und die Kapitalbeschaffung erschweren. Wir sehen uns jedoch gut positioniert – auch in einem schwierigeren Umfeld: Als lokal verwurzelter DACH-Manager mit proprietärem Dealflow, Fokus auf den Lower-Mid-Market und konsequent stark besicherten Strukturen.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.

Dialog & Information:

FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL

FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE

FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL

FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“)

25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“

(Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital)

26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“

Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“

(Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com)

17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026”

(Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH)

Interview mit Christian Hommens  SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS

Frühjahr 2026Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“

(Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025)

16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog

(Medienpartnerschaft)

12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“

(Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ)

17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT

(Vortrag – Markus Hill)

10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“

(Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge)

Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen:

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Foto: Pixabay

QUELLE: IPE D.A.CH